Datenschutzerklärung

1. Datenschutz auf einen Blick

Allgemeine Hinweise

Die folgenden Hinweise geben einen einfachen Überblick darüber, was mit Ihren personenbezogenen Daten passiert, wenn Sie diese Website besuchen. Personenbezogene Daten sind alle Daten, mit denen Sie persönlich identifiziert werden können. Ausführliche Informationen zum Thema Datenschutz entnehmen Sie unserer unter diesem Text aufgeführten Datenschutzerklärung.

Datenerfassung auf dieser Website

Wer ist verantwortlich für die Datenerfassung auf dieser Website?

Die Datenverarbeitung auf dieser Website erfolgt durch den Websitebetreiber. Dessen Kontaktdaten können Sie dem Impressum dieser Website entnehmen.

Wie erfassen wir Ihre Daten?

Ihre Daten werden zum einen dadurch erhoben, dass Sie uns diese mitteilen. Hierbei kann es sich z. B. um Daten handeln, die Sie in ein Kontaktformular eingeben.

Andere Daten werden automatisch oder nach Ihrer Einwilligung beim Besuch der Website durch unsere IT-Systeme erfasst. Das sind vor allem technische Daten (z. B. Internetbrowser, Betriebssystem oder Uhrzeit des Seitenaufrufs). Die Erfassung dieser Daten erfolgt automatisch, sobald Sie diese Website betreten.

Wofür nutzen wir Ihre Daten?

Ein Teil der Daten wird erhoben, um eine fehlerfreie Bereitstellung der Website zu gewährleisten. Andere Daten können zur Analyse Ihres Nutzerverhaltens verwendet werden.

Welche Rechte haben Sie bezüglich Ihrer Daten?

Sie haben jederzeit das Recht, unentgeltlich Auskunft über Herkunft, Empfänger und Zweck Ihrer gespeicherten personenbezogenen Daten zu erhalten. Sie haben außerdem ein Recht, die Berichtigung oder Löschung dieser Daten zu verlangen. Wenn Sie eine Einwilligung zur Datenverarbeitung erteilt haben, können Sie diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen. Außerdem haben Sie das Recht, unter bestimmten Umständen die Einschränkung der Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten zu verlangen. Des Weiteren steht Ihnen ein Beschwerderecht bei der zuständigen Aufsichtsbehörde zu.

Hierzu sowie zu weiteren Fragen zum Thema Datenschutz können Sie sich jederzeit unter der im Impressum angegebenen Adresse an uns wenden.

Analyse-Tools und Tools von Drittanbietern

Beim Besuch dieser Website kann Ihr Surf-Verhalten statistisch ausgewertet werden. Das geschieht vor allem mit Cookies und mit sogenannten Analyseprogrammen.

Detaillierte Informationen zu diesen Analyseprogrammen finden Sie in der folgenden Datenschutzerklärung.

2. Hosting und Content Delivery Networks (CDN)

Externes Hosting

Diese Website wird bei einem externen Dienstleister gehostet (Hoster). Die personenbezogenen Daten, die auf dieser Website erfasst werden, werden auf den Servern des Hosters gespeichert. Hierbei kann es sich v. a. um IP-Adressen, Kontaktanfragen, Meta- und Kommunikationsdaten, Vertragsdaten, Kontaktdaten, Namen, Webseitenzugriffe und sonstige Daten, die über eine Website generiert werden, handeln.

Der Einsatz des Hosters erfolgt zum Zwecke der Vertragserfüllung gegenüber unseren potenziellen und bestehenden Kunden (Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO) und im Interesse einer sicheren, schnellen und effizienten Bereitstellung unseres Online-Angebots durch einen professionellen Anbieter (Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO).

Unser Hoster wird Ihre Daten nur insoweit verarbeiten, wie dies zur Erfüllung seiner Leistungspflichten erforderlich ist und unsere Weisungen in Bezug auf diese Daten befolgen.

Abschluss eines Vertrages über Auftragsverarbeitung

Um die datenschutzkonforme Verarbeitung zu gewährleisten, haben wir einen Vertrag über Auftragsverarbeitung mit unserem Hoster geschlossen.

3. Allgemeine Hinweise und Pflichtinformationen

Datenschutz

Die Betreiber dieser Seiten nehmen den Schutz Ihrer persönlichen Daten sehr ernst. Wir behandeln Ihre personenbezogenen Daten vertraulich und entsprechend der gesetzlichen Datenschutzvorschriften sowie dieser Datenschutzerklärung.

Wenn Sie diese Website benutzen, werden verschiedene personenbezogene Daten erhoben. Personenbezogene Daten sind Daten, mit denen Sie persönlich identifiziert werden können. Die vorliegende Datenschutzerklärung erläutert, welche Daten wir erheben und wofür wir sie nutzen. Sie erläutert auch, wie und zu welchem Zweck das geschieht.

Wir weisen darauf hin, dass die Datenübertragung im Internet (z. B. bei der Kommunikation per E-Mail) Sicherheitslücken aufweisen kann. Ein lückenloser Schutz der Daten vor dem Zugriff durch Dritte ist nicht möglich.

Hinweis zur verantwortlichen Stelle

Die verantwortliche Stelle für die Datenverarbeitung auf dieser Website ist:

Sascha Bartz
Gartenweg 5
18236 Neu Karin

Telefon: 0176 96793389
E-Mail: sascha@hundetrainer-bartz.de

Verantwortliche Stelle ist die natürliche oder juristische Person, die allein oder gemeinsam mit anderen über die Zwecke und Mittel der Verarbeitung von personenbezogenen Daten (z. B. Namen, E-Mail-Adressen o. Ä.) entscheidet.

Widerruf Ihrer Einwilligung zur Datenverarbeitung

Viele Datenverarbeitungsvorgänge sind nur mit Ihrer ausdrücklichen Einwilligung möglich. Sie können eine bereits erteilte Einwilligung jederzeit widerrufen. Dazu reicht eine formlose Mitteilung per E-Mail an uns. Die Rechtmäßigkeit der bis zum Widerruf erfolgten Datenverarbeitung bleibt vom Widerruf unberührt.

Widerspruchsrecht gegen die Datenerhebung in besonderen Fällen sowie gegen Direktwerbung (Art. 21 DSGVO)

WENN DIE DATENVERARBEITUNG AUF GRUNDLAGE VON ART. 6 ABS. 1 LIT. E ODER F DSGVO ERFOLGT, HABEN SIE JEDERZEIT DAS RECHT, AUS GRÜNDEN, DIE SICH AUS IHRER BESONDEREN SITUATION ERGEBEN, GEGEN DIE VERARBEITUNG IHRER PERSONENBEZOGENEN DATEN WIDERSPRUCH EINZULEGEN; DIES GILT AUCH FÜR EIN AUF DIESE BESTIMMUNGEN GESTÜTZTES PROFILING. DIE JEWEILIGE RECHTSGRUNDLAGE, AUF DENEN EINE VERARBEITUNG BERUHT, ENTNEHMEN SIE DIESER DATENSCHUTZERKLÄRUNG. WENN SIE WIDERSPRUCH EINLEGEN, WERDEN WIR IHRE BETROFFENEN PERSONENBEZOGENEN DATEN NICHT MEHR VERARBEITEN, ES SEI DENN, WIR KÖNNEN ZWINGENDE SCHUTZWÜRDIGE GRÜNDE FÜR DIE VERARBEITUNG NACHWEISEN, DIE IHRE INTERESSEN, RECHTE UND FREIHEITEN ÜBERWIEGEN ODER DIE VERARBEITUNG DIENT DER GELTENDMACHUNG, AUSÜBUNG ODER VERTEIDIGUNG VON RECHTSANSPRÜCHEN (WIDERSPRUCH NACH ART. 21 ABS. 1 DSGVO).

WERDEN IHRE PERSONENBEZOGENEN DATEN VERARBEITET, UM DIREKTWERBUNG ZU BETREIBEN, SO HABEN SIE DAS RECHT, JEDERZEIT WIDERSPRUCH GEGEN DIE VERARBEITUNG SIE BETREFFENDER PERSONENBEZOGENER DATEN ZUM ZWECKE DERARTIGER WERBUNG EINZULEGEN; DIES GILT AUCH FÜR DAS PROFILING, SOWEIT ES MIT SOLCHER DIREKTWERBUNG IN VERBINDUNG STEHT. WENN SIE WIDERSPRECHEN, WERDEN IHRE PERSONENBEZOGENEN DATEN ANSCHLIESSEND NICHT MEHR ZUM ZWECKE DER DIREKTWERBUNG VERWENDET (WIDERSPRUCH NACH ART. 21 ABS. 2 DSGVO).

Beschwerderecht bei der zuständigen Aufsichtsbehörde

Im Falle von Verstößen gegen die DSGVO steht den Betroffenen ein Beschwerderecht bei einer Aufsichtsbehörde, insbesondere in dem Mitgliedstaat ihres gewöhnlichen Aufenthalts, ihres Arbeitsplatzes oder des Orts des mutmaßlichen Verstoßes zu. Das Beschwerderecht besteht unbeschadet anderweitiger verwaltungsrechtlicher oder gerichtlicher Rechtsbehelfe.

Recht auf Datenübertragbarkeit

Sie haben das Recht, Daten, die wir auf Grundlage Ihrer Einwilligung oder in Erfüllung eines Vertrags automatisiert verarbeiten, an sich oder an einen Dritten in einem gängigen, maschinenlesbaren Format aushändigen zu lassen. Sofern Sie die direkte Übertragung der Daten an einen anderen Verantwortlichen verlangen, erfolgt dies nur, soweit es technisch machbar ist.

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Auskunft, Löschung und Berichtigung

Sie haben im Rahmen der geltenden gesetzlichen Bestimmungen jederzeit das Recht auf unentgeltliche Auskunft über Ihre gespeicherten personenbezogenen Daten, deren Herkunft und Empfänger und den Zweck der Datenverarbeitung und ggf. ein Recht auf Berichtigung oder Löschung dieser Daten. Hierzu sowie zu weiteren Fragen zum Thema personenbezogene Daten können Sie sich jederzeit unter der im Impressum angegebenen Adresse an uns wenden.

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Sie haben das Recht, die Einschränkung der Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten zu verlangen. Hierzu können Sie sich jederzeit unter der im Impressum angegebenen Adresse an uns wenden. Das Recht auf Einschränkung der Verarbeitung besteht in folgenden Fällen:

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4. Datenerfassung auf dieser Website

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5. Analyse-Tools und Werbung

Google Analytics

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98. Kann tatsächlich jeder Hund in nur einem Training erzogen werden?

oder

Die Herausforderung einer Resozialisierung

Verständlicherweise werde ich immer mal wieder mit einem Unterton des Zweifelns auf meine auch als Provokation verstandene Aussage angesprochen, wenn ich behaupte, dass eine Hundeerziehung, im Gegensatz zur Ausbildung, sofort und kurzfristig und oftmals in nur einer einzigen Trainingseinheit machbar sei.

Zugegeben, diese Formulierung ist auch etwas provozierend gemeint. Denn ich verfolge damit vornehmlich die Absicht, die aus meiner Sicht zu Unrecht pauschalisierte Einschätzungen vieler Hundetrainer und Hundetrainerinnen, dass eine Hundeerziehung eine komplexe und deshalb langwierige Angelegenheit sei, zu thematisieren. Eine solche Pauschalisierung ist nach meinen Erfahrungen schlichtweg nicht wahr und dient eher der Rechtfertigung des Scheiterns.

Ich komme deshalb immer wieder auf dieses Thema zu sprechen, weil die überwiegende Mehrheit der Hundehalterinnen und Hundehalter, die mich kontaktieren und um Hilfe bitten, meistens bereits mehrere erfolglose Hundeschulbesuche hinter sich haben und mir dann von derartigen Rechtfertigungen des Scheiterns durch die Hundeschulen berichten. Und nicht wenige von ihnen berichten mir sogar von mehrwöchigen Trainings, ohne dass ihr „Problem“ auch nur ansatzweise beseitigt wurde. Kürzlich schrieb mir ein Kunde von einem 4-wöchigen Aufenthalt seines Hundes in einer Hundeschule, der durch die Hundeschule sogar auf Kulanz noch einmal um 2 Wochen verlängert wurde, nur um ihm eine Grundkonditionierung beizubringen, geschweige denn, seine unerwünschten Verhaltensweisen beseitigt zu haben. Und wenn ich solche „Leidensgeschichten“ beinahe jeden Tag zu hören bekomme, sehe ich mich halt manchmal veranlasst, die Diskussion darüber durch eine Provokation zu initiieren.

Die Gründe für das Scheitern einer Hundeerziehung sind nämlich selten in der mangelnden Zeitdauer, Länge oder Anzahl an Wiederholungen eines Trainings zu finden. Vielmehr ist das Anwenden ungeeigneter Trainingsmethoden der Casus knacksus. Allerdings spielt auch eine mangelnde Therapietreue der Hundehalter eine wichtige Rolle, denn den entscheidenden Einfluss auf das Sozialverhalten des Hundes hat nun einmal das Verhalten des Menschen dem Hund gegenüber. Insofern ist nicht nur die Hundeschule „schuldig“. Wenn es mir als Hundetrainer halt nicht gelingt, den Menschen zu einem veränderten Verhalten seinem Hund gegenüber zu motivieren, muss eine Hundeerziehung zwangsläufig auch scheitern. Das Sozialverhalten des Hundes, also ob er sein agonistisches Verhaltensrepertoire einsetzt oder nicht, ergibt sich nämlich daraus, ob der Mensch ihm die Verantwortung für seine eigene Sicherheit oder/und die seiner Bezugsperson oder sonstiger Ressourcen überlässt oder nicht. Und diese Entscheidung beeinflusst er durch sein demonstriertes Verhalten dem Hund gegenüber.

Insofern ist eine erfolgreiche Hundeerziehung durch eine Hundeschule nichts anderes, als einerseits die erfolgreiche Korrektur des hündischen Verhaltens mit dem Ziel der Einschränkung seines Entscheidungsspielraums (was übrigens in einer einzigen Trainingseinheit machbar ist) und andererseits die Unterweisung des Hundehalters in sein ab sofort einzuhaltendes Verhalten dem Hund gegenüber.

Wenn man nun diese Fälle aber einmal außer Acht lässt – auch wenn sie den Großteil meiner Klientel ausmachen –, gibt es natürlich zugegebenermaßen noch eine weitere Gruppe von sogenannten verhaltensauffälligen Hunden, denen man ihren Entscheidungsspielraum nicht so ohne weiteres in einem einzigen Training einschränken und ihnen demonstrieren kann, dass es ab sofort keinen Grund mehr für sie gibt, sich sozial anders zu verhalten. Dazu zählen insbesondere die als Resozialisierung einzustufenden Fälle. Diese „Klientel“ kennzeichnet eine starke Konsolidierung ihres agonistischen Verhaltens, die dadurch zustande gekommen ist, dass sie über einen längeren Zeitraum – u.U. sogar schon über viele Jahre hinweg – immer und immer wieder mit ihren unerwünschten Verhaltensweisen und der damit verfolgten Verhaltensstrategie Erfolg hatte, ohne auf Widerstand zu stoßen.

Eine prägende Wirkung auf das soziale Verhalten eines Hundes hat in diesem Kontext auch das Ausbleiben einer notwendigen Korrektur in Situationen, in denen der Hund ein unerwünschtes Verhalten zeigt. Denn eine nicht erfolgte Korrektur bei einem unerwünschten Verhalten, und sei dieses scheinbar noch so lapidar, ist in seiner Wirkung gleichzusetzen mit einer Anerkennung, die dem Hund das Feedback gibt: „Du hast alles richtig gemacht.“

Das Säugetiergehirn des Hundes, ähnlich wie das des Menschen, ist nicht nur sprichwörtlich, sondern neurobiologisch auf Erfolg getrimmt. Es speichert Verhaltens- oder Handlungssequenzen als sinnvoll immer dann ab und holt sie quasi in vergleichbaren Entscheidungssituationen immer wieder hervor und wendet sie erneut an, wenn sie in der Vergangenheit das angestrebte Verhaltens- oder Handlungsziel erfolgreich gewährleistet haben. Und je öfter dies geschieht, desto stabiler wird dieses Verhaltensmuster „eingestanzt“. Nach der Devise: „Ändere dein Verhalten ja nicht, wenn es bisher ein Garant deines Erfolges war.“ Und das „weiß“ auch ein Hund, zumindest instinktiv.

Beispielsweise wenn Kinder, die durch ihr oftmals unbedachtes oder ungeschicktes Verhalten den Hund in seiner Sicherheit oder eines seiner Ressourcen bedrohen, reagiert er instinktiv durch das Anwenden agonistischer Verhaltensweisen (z.B. Knurren oder sogar Beißen), um sein Sicherheitsbedürfnis zu befriedigen bzw. seine Ressource zu verteidigen. Da in solchen Fällen das Kind in der Regel mit Rückzug reagiert, gibt es beim Hund den berühmten Aha-Effekt des Erfolges. Wenn nun in solchen Schlüsselsituationen das energische Einschreiten der Hundehalter in Form einer drastischen Korrektur ausbleibt, weil sie sich beispielsweise im Fall einer Beißattacke verständlicherweise zunächst um das geschädigte Kind kümmern und nicht um den Hund, speichert er seine Verhaltensstrategie als erfolgreich ab. Der gleiche Effekt tritt ein, wenn eine Korrektur für den Hund nicht in einem verständlichen Kontext geschieht oder mit einer mangelnden Kontinuität bzw. Konsequenz.

Derart konsolidierte bzw. verfestigte „Verhaltensauffälligkeiten“ führen oftmals zu sehr ernsten sozialen Konflikten zwischen Hund und Mensch. Denn bei diesen Verhaltensweisen, die u.U. nicht nur für Dritte, sondern sogar für die Halter selbst zu bedrohlichen oder gefährlichen Situationen führen, zeichnen sich nicht selten durch eine scheinbare Unberechenbarkeit aus. Der Hund „flippt“ quasi urplötzlich und aus nicht erkennbarem Grund „aus“ und neigt zu scheinbar übertriebenen Aggressionen in Form von Übersprungshandlungen, die sich gegen alles und jeden richten können. Dann sind nicht nur Wäscheständer oder Spielzeuge Opfer seiner vermeintlichen „Wutanfälle“, sondern bedauerlicherweise im schlimmsten Fall eben auch kleine Kinder.

Und dann stellt sich für die Betroffenen die Frage nach den Ursachen. Nicht selten suchen sie dann Hilfe beim Tierarzt, weil sie glauben, es habe eine pathologische Ursache. Und die Auswertung des Blutbildes soll dann Hinweise geben, ob vielleicht irgendeine verhaltensauslösende Störung wie zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion seine Verhaltensauffälligkeiten begründen könnte. Und schon ist der Griff zur Allzweckwaffe Medikament obligatorisch; nicht selten aber ohne nachhaltige Besserung.

Nach meinen Erfahrungen wird hier zu schnell oder zu leichtfertig die Kausalkette verdreht und fälschlicherweise die Wirkung zur Ursache missdeutet. Denn nicht eine organische Fehlfunktion mit ihren endogenen Reaktionsfolgen muss zwingend Auslöser eines bestimmten Verhaltens sein, sondern oftmals ist es genau andersherum. Wenn nämlich die äußeren Rahmenbedingungen, unter denen der Hund agieren muss, neurobiologische und in deren Folge endogene Reaktionen auslösen. Denn die meisten Organe werden durch das vegetative Nervensystem, zu denen die beiden „Gegenspieler“ Sympathikus und Parasympathikus gehören, gesteuert. Solche typischen Rahmenbedingungen sind beispielsweise alle stressauslösenden Situationen, die dann den Sympathikus aktivieren, der den Körper in Alarmbereitschaft versetzt, um ihn für Höchstleistungen zu mobilisieren. Und das Resultat schlägt sich dann in den Laborwerten nieder.

Deshalb wäre es eigentlich viel sinnvoller, in markanten Situationen beispielsweise das in der Nebennierenrinde gebildete Stresshormon Cortisol zu messen, das auch im Urin des Hundes nachweisbar ist. Denn dann hätte man zumindest einen Hinweis darauf, ob man die Ursache des vermeintlich unberechenbaren Verhaltens in den äußeren, insbesondere stressauslösenden, Rahmenbedingungen zu suchen hätte, statt in den Fehlfunktionen von Organen herumzusuchen. Jedenfalls entspricht diese Kausalität eher meinen gemachten Erfahrungen.

Eine Quelle solcher stressauslösenden Rahmenbedingungen beschreibt ein Fachgebiet der Soziologie:

Die Lehre unterscheidet hier eine ganze Liste an sozialen Konflikten, wozu auch der sogenannte Rollenkonflikt zählt, in den auch ein Hund im sozialen Gefüge mit dem Menschen geraten kann. Will heißen, jeder Sozialpartner entwickelt als Rollenträger für sich selbst eine Rolle, die er glaubt, gegenüber anderen Sozialpartnern erfüllen zu müssen. Daraus resultieren bestimmte Konflikte. Wenn beispielsweise die Erwartungen, die die Bezugsperson (Sozialpartner Mensch) an die Rolle des Rollenträgers (Hund) hat, nicht mit dessen Interessen und Bedürfnissen übereinstimmen. Oder wenn auf Seiten des Rollenträgers oder Sozialpartners ein defizitäres Rollenwissen vorliegt. Wenn der Rollenträger beispielsweise gar nicht weiß, was eigentlich von ihm erwartet wird oder das Feedback, was er vom Menschen erhält, im Widerspruch steht zu seinem eigenen Rollenverständnis. Oder es kommt zu einem Rollenkonflikt, wenn der Rollenträger gar nicht über die Ressourcen oder Mittel verfügt, um die aus seiner Sicht an ihn gestellten Erwartungen erfüllen zu können.

Einer der häufigsten Rollenkonflikte zwischen Hund und Mensch entsteht immer dann, wenn Letzterer den wahren Verhaltensgrund des Hundes entweder nicht hinterfragt, nicht erkennt oder falsch interpretiert. Was meistens bedingt ist durch den sogenannten Anthropomorphismus (Vermenschlichung des Wesens des Hundes und seiner Bedürfnisse). Im Ergebnis dessen ist das Risiko erheblich, dass der Mensch sich dem Hund gegenüber falsch verhält und ihn dadurch in einen nahezu unlösbaren Konflikt manövriert.

Wenn ich beispielsweise einen Hundehalter frage, ob ihm bewusst sei, dass das soziale Verhalten seines Hundes neben seiner Rassespezifikation entscheidend dadurch beeinflusst wird, ob er die Verantwortung für seine Sicherheit einschl. die seiner Bezugspersonen oder irgendeine Ressource innehat oder nicht, zeigt mir seine Reaktion in der Regel, dass er über ein defizitäres Rollenwissen verfügt.

Die Folge ist nahezu zwangsläufig ein falsches oder für den Hund missverständliches Verhalten des Menschen ihm gegenüber mit fatalen Folgen. Denn jedes Mal, wenn der Hund seiner Rolle als Beschützer gerecht wird oder werden will, der Mensch dieses dadurch begründete Verhalten aber nicht adäquat interpretiert, erfährt der Hund seitens des Menschen eine ambivalente Reaktion, beispielweise in Form einer Korrektur oder Bestrafung, anstelle einer anerkennenden Geste, wie er es aus seinem Rollenverständnis heraus eigentlich erwarten könnte. Und wenn dies immer und immer wieder geschieht, entwickelt der Hund Frust, der in Stress ausartet und sich in einer physischen Reaktion wie durch ein Ventil entlädt; beispielsweise durch eine Beißattacke.

Aber ich möchte noch auf einen anderen sehr wichtigen Auslöser unerwünschten hündischen Verhaltens hinweisen, der bereits im Welpenalter stattgefunden haben kann und, wenn er nicht durch eine Erziehung im Nachhinein „korrigiert“ wird, sich später in einer konsolidierten Verhaltensauffälligkeit niederschlägt oder zumindest deren Grundlage bildet. Und das ist die leider allseits beliebte “Welpenspielgruppe”.

Sogenannte Welpenspielgruppen, wie sie übrigens kaum heuchlerischer bezeichnet werden könnten und bedauerlicherweise von sehr vielen Hundeschulen und Hundetrainern angeboten werden, legen oftmals den Grundstein für das spätere unerwünschte Verhalten eines Hundes. Denn das vorgebliche Ziel der Sozialisierung des Hundes oder der Entwicklung seiner sozialen Kompetenz, mit dem solche Veranstaltungen begründet werden, wird hier nämlich nicht nur nicht erreicht, sondern sogar das genaue Gegenteil provoziert, nämlich die Aktivierung seines agonistischen Verhaltensrepertoires (Konkurrenzverhalten). Wenn ein kleiner Welpe aus seiner Geburtsfamilie entnommen und von seinen Eltern und Geschwistern getrennt wird, hat den entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung seiner sozialen Kompetenz von nun an ausschließlich die sich jetzt zwischen ihm und seiner neuen Bezugsperson entwickelnde Beziehung. Und die alles entscheidende Frage dabei ist, ob diese neue Bezugsperson für die Befriedigung seines Sicherheitsbedürfnisses sorgt oder ihm selbst diese Verantwortung überlässt.

Besteht die Absicht, diesen Welpen künftig als einen Wach- und Schutzhund einzusetzen, ist gegen eine “Welpenspielgruppe” nichts einzuwenden, wenn man dabei in Kauf nimmt, dass der kleine Welpe hier eine sehr unangenehme Erfahrung machen muss. Mit vermeintlichem Spaß hat das alles jedenfalls nichts zu tun. Denn Herrchen oder Frauchen signalisieren ihm damit nichts anderes, als dass sie selbst nicht gewillt sind, künftig für die Befriedigung seines Sicherheitsbedürfnisses Sorge zu tragen, sondern im Gegenteil, von ihm sogar erwarten, dass er, der kleine Welpe, jetzt bereits lernt, nicht nur für seine eigene Sicherheit, sondern später auch für die Sicherheit seiner Bezugspersonen und alle ihm anvertrauten Ressourcen zu sorgen hat. Eine andere Botschaft kann ein solches Treffen auf fremde und ihm nicht wohl gesonnene Hunde nämlich nicht haben. Denn alle fremden Welpen, auf die er hier trifft, sind potentiell nicht seine “Freunde”, denn sie gehören in der Regel nicht zu seiner Geburtsfamilie. Und was sich hier zur Belustigung von Frauchen und Herrchen als harmlose Spielerei darstellt – denn sie blicken alle durch ihre anthropomorphisierende Sonnenbrille – ist nichts anderes, als ein erbitterter Konkurrenzkampf. Herrchen oder Frauchen schicken ihn, den kleinen Welpen, bewusst in eine agonistische Auseinandersetzung mit seinesgleichen, in der von ihm verlangt wird, sich zu behaupten und gefälligst sein agonistisches Verhaltensrepertoire einzusetzen.

Ist diese spätere Aufgabe für ihn aber nicht die geplante Bestimmung, weil er eher als eine Art sozialer Partner fungieren oder gar mit kleinen Kindern klarkommen soll, rate ich jedem Hundehalter und jeder Hundehalterin dringend, seinen Schützling von solchen Veranstaltungen fernzuhalten. Im Zweifel sollte man sich im Kontext solcher fragwürdigen und auf Kommerz ausgerichteten Spaßveranstaltungen immer mal fragen, ob die Natur selbst auch solche Dinge erfunden hätte.

Aber kommen wir zurück zur Lösung für die sogenannten Resozialisierungsfälle, die zugegebenermaßen in der Regel auch nicht in einer einzigen Trainingseinheit zu „therapieren“ sind. Sie bedürfen eines etwas aufwendigeren Weges, der sich – in knapper Form zusammengefasst – aus drei Trainingsmodulen zusammensetzt. Wobei aber alle drei simultan bzw. zeitnah praktiziert werden sollten, denn sie ergänzen einander. Will heißen, eines der Module macht ohne die anderen Module keinen Sinn oder bringt den Hund erneut in einen Konflikt. Das erste Trainingsmodul beinhaltet die Korrektur des sozialen Verhaltens des Hundes, indem ihm demonstriert wird, dass sein bisheriges Verhalten unerwünscht ist. Simultan muss damit aber auch die Einschränkung seines Entscheidungsspielraums erfolgen, indem ihm ebenfalls demonstriert wird, dass bestimmte Entscheidungen nicht mehr in seinem Ermessen liegen. Auf eine Ressource bezogen heißt das, dass dem Hund nicht nur die Verantwortung für eine Ressource genommen wird, sondern in erster Linie er das Recht an dieser Ressource verliert. Und in einem dritten Modul muss dem Hund demonstriert werden, dass ab sofort die menschliche Bezugsperson die Verantwortung übernimmt und insbesondere für die Befriedigung seines Bedürfnisses nach Sicherheit Sorge trägt. Insofern entscheidet letztendlich die Therapietreue der Hundebesitzer und die Persönlichkeit der Bezugsperson, der der Hund die Wahrnehmung dieser Verantwortung auch zutrauen können muss, über den langfristigen Erfolg dieser Sozialisierung.

In einigen Fällen ist es sogar notwendig, dass die verantwortliche Bezugsperson in einer Familie wechseln sollte oder muss, wenn sie die Kriterien, an denen der Hund die Fähigkeit zur Übernahme der Verantwortung festmacht, nicht erfüllt oder nicht erfüllen kann. Anzeichen für die Notwendigkeit einer solchen Entscheidung sind beispielsweise, wenn der Hund in Gegenwart seiner Bezugsperson sogar andere Familienmitglieder, die ihm vermeintlich vertraut sind, angreift. Die Ursache findet sich in der “Schwäche” seiner eigentlichen Bezugsperson, die deshalb einerseits stets beschützen will und der er andererseits die zuverlässige Befriedigung seines eigenen Bedürfnisses nach Sicherheit schlicht und ergreifend nicht zutraut. Wenn diese Bezugsperson ihn in solchen Situationen, in denen er sie eigentlich beschützen will, maßregelt oder korrigiert, weil sie verständlicherweise nicht akzeptiert, dass der Hund ein Familienmitglied angreift, kommt der Hund in einen Konflikt. Denn die Korrektur steht im Widerspruch zu seinem Rollenverständnis. Und geschieht dies immer und immer wieder, kann es zu Stress- und Frustreaktionen führen, die sich wie in einem Ventil entladen, und der Hund sogar seine eigene Bezugsperson angreift.

96. “Macht es überhaupt Sinn, meinen Hund zu erziehen, wenn andere ihre Hunde nicht erziehen?”

Immer mal wieder erreichen mich solche resignierend klingenden Fragen oder beklagen sich Kunden (zum Zweck der leichteren Lesbarkeit verwende ich nur die männliche Form) mir gegenüber, dass der Erfolg, den wir bei der Erziehung ihrer „Leinenrambos“ relativ schnell erreicht haben, sofort wieder zunichte gemacht werde durch das unvernünftige Verhalten anderer Hundehalter. Damit meinen sie insbesondere deren Unart, ihre Hunde ohne Zustimmung meiner Kunden zu ihren Hunden Kontakt aufnehmen zu lassen.

Dies führe beispielsweise meine Forderung nach einer konsequenten „Therapietreue“ – auch Compliance genannt –, die die unabdingbare Voraussetzung für die Nachhaltigkeit einer erfolgreichen Hundeerziehung sei, ad absurdum. Denn all ihr Bemühen, meine Forderungen durchzusetzen, zu denen unter anderem auch eine Kontaktvermeidung zu fremden Hunden zähle, werde quasi zunichte gemacht oder sei schier unmöglich.

Es scheint offenbar eine unter vielen Hundehaltern weit verbreitete Unsitte zu sein, die Hunde ohne Zustimmung der anderen Halter untereinander Kontakt aufnehmen zu lassen. Ich selbst kann dies aus eigener Erfahrung hinlänglich bestätigen. Wenn ich beispielsweise andere Halter auffordere, ihre Hunde bitte zurückzuhalten, widerfährt mir nicht selten, dass ich nicht nur auf deren Unverständnis stoße, sondern sogar recht böse Reaktionen erfahre. Will sagen, viele Halter fühlen sich offensichtlich sogar im Recht mit ihrer Unvernunft und sehen es vermutlich als eine Art natürliches Recht ihrer Hunde an, zu allen und jedem ihrer Artgenossen – unabhängig davon, ob sie sich jemals zuvor begegnet sind oder nicht – Kontakt aufnehmen zu lassen. Einer Recherche zufolge glauben sie sogar, damit ihren Hunden eine artgerechte Haltung zu gewährleisten, weil es artspezifisch sei, dass Hunde untereinander Kontakt aufnehmen wollen.

(Warum letztere Konklusion Unfug ist, habe ich übrigens ausführlich in meinen beiden Büchern begründet.)

Hinzu kommt aber auch, dass seitens dieser unvernünftig handelnden Zeitgenossen die Auffassung vertreten wird, dass andere Halter dies zu akzeptieren oder zumindest zu dulden hätten.

Ist das aber wirklich so?

Zum besseren Verständnis macht es Sinn, dass ich an dieser Stelle nochmal den Kontext erläutere, in dem wir uns hier gedanklich bewegen.

Dazu ist es notwendig zu klären, über welche Hunde wir hier eigentlich sprechen, um dann die Notwendigkeit einer konsequenten Kontaktvermeidung zu rechtfertigen:

Vielleicht beginne ich besser mit der Beschreibung derer, die ich hier nicht meine. Denn dann wird das, was ich meine, vielleicht noch etwas deutlicher. Ich spreche, wenn ich von zu erziehenden Hunden und der damit einhergehenden anschließenden Kontaktvermeidung zu ihresgleichen spreche, nämlich nicht von Oma Hedwigs und Tante Liesbeths Schoßhündchen, deren Problem darin besteht, dass sie sich bei den tagtäglichen Begegnungen ihrer Frauchen auf der Straße wie Brummkreisel um sich selbst drehend am Hinterteil beschnüffeln und dabei doppelte Palsteks in ihre Leinen tütern, worüber sich dann die beiden älteren Damen sogar noch köstlich amüsieren, während sie versuchen, sich nicht selbst in diesem Knäuel an Leinen zu verheddern.

Nein, ich spreche hier vielmehr von Rottweiler & Co., deren nicht nur unerwünschtes, sondern oftmals sogar gefährdendes unsoziales Verhalten für ihre Besitzer zu einem ernstzunehmenden Problem geworden ist. Dabei kann sogar das nervende Zerren an der Leine oder Verbellen jedes anderen Wesens noch als harmlos eingestuft und vielleicht sogar außer Acht gelassen werden. Nicht selten geht es hier vielmehr um intraspezifische oder interspezifische Aggressionen, welche jegliches Bewegen in urbaner Umgebung mit ihnen für ihre Halter zu einem Martyrium oder unmöglichen Unterfangen hat werden lassen. In einigen Fällen sind Beißattacken oder sogar Übergriffe auf Kinder zu beklagen, so dass der Amtstierarzt schon ein Wörtchen mitzureden hat.

Kurzum, es geht hier um Hunde, deren Erziehung zwingend angezeigt ist, um ein Zusammenleben mit ihnen überhaupt noch zu ermöglichen, oder dieses zumindest erträglich zu machen. Und in einigen speziellen Fällen geht es sogar darum, ihnen das Einschläfern zu ersparen.

Und dazu muss man wissen, dass – nur mit Ausnahme des Jagdverhaltens und Verhaltens während der Läufigkeit – alle typischen unerwünschten Verhaltensweisen zum sogenannten agonistischen Verhaltensrepertoire zählen, die der erfolgreichen Auseinandersetzung mit Rivalen, Konkurrenten oder Feinden dienen. Allerdings setzen Hunde dieses agonistische Verhaltensrepertoire nur dann ein, wenn sie einerseits auch die Verantwortung für ihre eigene Sicherheit oder die der ihrem Schutz anvertrauen Personen und Ressourcen tragen und andererseits ihnen dafür ein ausreichender Entscheidungsspielraum zugestanden wurde. Ansonsten gäbe es weder einen Grund noch die Möglichkeit, dieses Verhalten an den Tag zu legen.

Ein typisches Indiz dafür, dass dem Hund eine solche Verantwortung überlassen oder übertragen wurde und er auch einen ausreichenden Entscheidungsspielraum besitzt, ist sein demonstrierter Wille zum Aufklären des Reviers und Abklären der Absichten Fremder, um auszuschließen, dass von ihnen irgendeine Gefahr oder Bedrohung ausgeht. Insofern ist die Absicht, Kontakt zu einem fremden Artgenossen aufzunehmen, ausschließlich darin begründet, abzuklären, ob dieser böswillig oder friedlich gestimmt ist.

Somit besteht das Ziel der Erziehung eines Hundes darin, ihn von dieser Verantwortung zu entbinden und seinen dazugehörigen Entscheidungsspielraum einzuschränken. Denn die Entbindung von seiner Verantwortung ist gleichzusetzen mit der Beseitigung des Grundes für sein unerwünschtes Verhalten und die Einschränkung seines Entscheidungsspielraums mit der Beseitigung seiner Möglichkeit dazu. Und da eine Erziehung nur von Erfolg gekrönt sein kann, wenn der Grund für ein Verhalten beseitigt ist – da eine Erziehung immer darauf abzielt, beim zu Erziehenden eine „Einsicht“ zu bewirken –, ist die Entbindung von der Verantwortung die Ultima Ratio. (Weshalb übrigens auch jeglicher Versuch der Konditionierung oder Ablenkung beispielsweise mittels Leckerlis als Erziehungsversuch zwangsläufig zum Scheitern verurteilt ist, weil er keinen Verhaltensgrund beseitigt.)

Allerdings macht das Ganze für den Hund nur dann Sinn und führt bei ihm zur „Einsicht“, wenn ab sofort Herrchen oder Frauchen statt seiner dieser Verantwortung nachkommen. Und dieser Verantwortung für die Gewährleistung der Sicherheit von Hund und Mensch muss Herrchen oder Frauchen unter allen Umständen und konsequent wahrnehmen. Weil, sowie der Hund den leisesten Zweifel daran hegen muss, dass Herrchen oder Frauchen weder willens noch in der Lage sind, dieser Verantwortung überhaupt gerecht zu werden, wird er sie sofort selbst wieder übernehmen und in sein altes Verhaltensmuster zurückfallen. Insofern ist die Compliance von ultimativer Bedeutung.

Die beiden Trainingsmethoden, die für eine erfolgreiche Erziehung zur Verfügung stehen sind einerseits die Demonstration – mit deren Hilfe dem Hund die Verantwortung genommen wird – und andererseits die Korrektur – mittels derer dem Hund der Entscheidungsspielraums eingeschränkt wird.

Und nun sollte doch eigentlich die Schlussfolgerung nicht allzu schwerfallen, zu erkennen, dass die empfohlene Kontaktvermeidung zu fremden Hunden im Anschluss an eine erfolgreiche Entbindung von der Verantwortung eine logische Folge ist. Denn die Erziehung durch Entbindung von der Verantwortung führt quasi dazu, dass der Hund keinerlei Anlass oder Grund mehr sieht, überhaupt noch Kontakt zu einem Fremden aufzunehmen. Ein erzogener Hund, dem die Verantwortung genommen wurde, neigt dazu – außer während der Läufigkeit – ein sichtliches Desinteresse an Fremden zu demonstrieren.

Die Gefahr eines Rückfalls in alte Verhaltensmuster ist jedoch enorm, sowie die Halter ihrem Hund doch wieder den Kontakt zu Fremden „ermöglichen“, ungewollt oder absichtlich. Denn der Hund kann nur schwer unterscheiden, ob diese Kontaktaufnahme „aus Versehen“ und ohne Willen von Herrchen oder Frauchen geschieht, oder ob dahinter wieder der Auftrag zum Aufpassen steht.

Deshalb ist es durchaus eine jeweils hilfreiche Situation für eine Nachhaltigkeit des Erziehungserfolges, wenn die Hundehalter gegenüber Fremden laut und konsequent mit der Aufforderung, ihre Hunde bitte zurückzuhalten, ihrem eigenen Hund demonstrieren, dass sie gewillt und in der Lage sind, für ihre beider Sicherheit zu sorgen.  

95. Kann man einen verhaltensauffälligen Hund im Rahmen eines „social walks“ wirklich erziehen?

oder

ein weiterer zum Scheitern verurteilter Versuch der Konditionierung?

Eine Kundin machte mich auf eine Methode einer angeblichen Hundeerziehung aufmerksam, die viele Hundeschulen anböten und bat mich um meine Expertise. Sie hatte mich zuvor kontaktiert, um ihren „Leinenrabauken“ von seinen „Macken“ zu befreien. Denn – ihren Worten nach – sei mit ihrem Hund ein entspanntes Gassigehen mittlerweile unmöglich geworden und jede Begegnung mit seinesgleichen gipfele in eine Art Überlebenskampf. Und deshalb fragte sie mich, ob ich denn auch solcherart Trainingsmethoden wie den „social walk“ befürworte.

Bevor ich meine Meinung dazu kundtat, reizte es mich jedoch – zugegeben zum wiederholten Male –, mich über diese vollkommen unnötigen Anglizismen, oder besser gesagt Scheinanglizismen, zu echauffieren, denn die Mehrheit der deutschen Muttersprachler sind nachweislich der englischen Sprache eher schlecht als recht mächtig. Was vor über zehn Jahren der Sprachwissenschaftler Dr. Rudolf-Josef Fischer in einer repräsentativen Umfrage beeindruckend bestätigt hat. Es gaben zwar viele der Befragten an, englisch zu sprechen; aber als er dies durch einen Test überprüfte, war die Ernüchterung sehr groß.

Und da stellt sich mir eben immer die Frage, warum bewirbt man – vor diesem ernüchternden Hintergrund – als deutschsprachige Hundeschule seine Dienstleistung, die man ausschließlich im deutschsprachigen Raum anbietet und sich mit ihr sicherlich vorwiegend an eine deutschsprachige Kundschaft wendet, in englischer Sprache? Zumal die Botschaft, die man mit einem solch kurzen und markanten Motto aussenden möchte, möglichst nicht missverstanden werden sollte, um ihre Wirkung nicht zu verfehlen. Aber diese Gefahr besteht im hiesigen Kontext durchaus. Denn wenn man mit seinem Hund von einer Hundeschule zu einem „social walk“ eingeladen wird, könnte man annehmen, es handle sich um einen „geselligen Spaziergang“. Schaut man sich allerdings die Beschreibungen dessen an, was einen erwartet und zu welchem Zweck das gemeinsame Schlendern mit Hund und Gleichgesinnten erfolgen soll, wird man eines Besseren belehrt. Allerdings hätte man dann eher solch ein Vokabular wie „socialize“ oder socialized“ in der Ankündigung erwarten können.

Oder verbirgt sich dahinter doch eher die Absicht, kritische Fragen hinsichtlich der fachlichen Sinnhaftigkeit solchen Tuns zu umgehen und dem Ganzen schon mal die Aura eines Axioms zu verleihen; also als etwas erscheinen zu lassen, was beweislos als fachlich richtig vorausgesetzt werden kann und nicht mehr bewiesen werden muss?   

Nach dem Motto, wenn du Skepsis oder kritische Fragen umgehen möchtest, verpasse dem, was du machst, einfach ein kerniges und nach Kompetenz klingendes Synonym, so dass der Laie ob einer solch suggerierten wissenschaftlichen Fundiertheit deines Tuns ehrfurchtsvoll in eine Art Demut und Vertrauensseligkeit verfällt, statt kritisch zu hinterfragen, ob das alles überhaupt Sinn macht.  

Aber sei’s wie es sei; kommen wir lieber zur fachlichen Analyse.

Wenn man in einer Suchmaschine die drei Begrifflichkeiten social walk und hunde hintereinander eintippt, erzielt man bis zu 3.110.000 Treffer!! Und wenn man sich die Quellen anschaut, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass jede Hundeschule oder jede*r Hundetrainer*in, die etwas auf sich halten, ein solches Wunderwerk des Hundetrainings anzubieten scheinen.

Was verbirgt sich nun aber dahinter; ich zitiere:

Ziel der Social Walks ist, das Sozialverhalten des Hundes zu verbessern und zu stabilisieren, sowie Aufregung bei Begegnungen mit fremden Hunden und Menschen zu minimieren.

Oder an anderer Stelle (Ich habe mir allerdings erlaubt, die grammatikalischen Fehler zu korrigieren):

Unser gemeinsames Ziel! Stressfreie Spaziergänge, ohne dass dein Hund ausflippt, wenn ein anderer Hund sichtbar ist. Wir üben dies mit anderen Leidensgenossen.

Ich denke, es ist somit unstrittig, dass es sich bei der angebotenen Dienstleistung um eine beabsichtigte Erziehung des Hundes und nicht um seine Ausbildung handeln soll, denn die Intension besteht erklärtermaßen in der Einflussnahme auf das Sozialverhalten. Und damit kann es sich nur um eine Erziehung handeln und nicht um eine Ausbildung, bei der in erster Linie Fähigkeiten und Fertigkeiten wie Sitz, Platz oder Purzelbäume geübt werden.

Allerdings widerspricht dem ein Passus, der da lautet:

„Da Übung den Meister macht, kann ich leider nicht voraussehen, wie viele Trainingseinheiten wir brauchen.“

Abgesehen von dem Zaunpfahl, mit dem hier gewunken wird, der zahlende Kunde möge sich schon mal gedanklich darauf einstellen, mehrmals mit seinem Delinquenten erscheinen zu müssen, ist dies eher ein Indiz dafür, dass das vorgegebene Erziehungsziel mit den jedoch ungeeigneten Methoden der Ausbildung erreicht werden soll. Denn wenn von Übung und Wiederholung die Rede ist, liegt eine solche Vermutung sehr nahe, da eine Erziehung im Sinne der Sozialisierung in der Regel (bei guter Compliance der Hundehalter*innen) selten eine Wiederholung benötigt.

Aber warum ist meine Skepsis bezüglich einer möglichen Sozialisierung eines nicht erzogenen Hundes während eines gemeinsamen Hundespaziergangs groß? Die Erklärung ergibt sich aus der Beantwortung dreier Fragen:

  1. Worin ist das soziale Verhalten eines Hundes – im hiesigen Kontext ist sein agonistisches Verhalten gemeint – gegenüber seinen Artgenossen oder ihm fremder Menschen begründet, auf das im Rahmen der Erziehung Einfluss genommen werden soll?
  2. Worin muss demzufolge das Ziel einer Erziehung bestehen, um nachhaltig das daraus resultierende soziale Verhalten zu verändern und
  3. Welches Mittel steht dafür zur Verfügung?

Zu 1.: Das agonistische Verhalten eines Hundes, das sich in Aggressionen oder sonstigen störenden Verhaltensweisen bei Begegnungen mit seinesgleichen oder fremden Menschen offenbart, ist ausschließlich in der ihm überlassenen oder übertragenen Verantwortung begründet (eine Ausnahme können pathologisch begründete Fälle bilden). Er fühlt sich quasi zuständig nicht nur für seine eigene Sicherheit, sondern ebenso für die seiner ihm anvertrauten Personen oder Ressourcen. Daraus resultiert, dass er in Fremden zunächst einmal grundsätzlich Rivalen, Konkurrenten oder potentielle Gefahren vermutet, deren Absichten es abzuklären und sie gegebenenfalls zu verjagen gilt.

Zu 2.: Will man im Rahmen einer Erziehung den Hund nachhaltig von diesem Verhalten „befreien“, muss man ihm den Grund für sein unerwünschtes soziales Verhalten nehmen. Das heißt, man muss ihn von seiner Verantwortung „befreien“.

Zu 3.: Das Mittel, das dafür zur Verfügung steht, bietet nur die Erziehung, jedoch nicht die Ausbildung, die lediglich Fähigkeiten und Fertigkeiten trainiert. Nur die Erziehung verfügt über das Mittel, dem Hund diese Verantwortung zu nehmen. Und dieses Mittel ist die Demonstration und ggf. die Korrektur. Das heißt, die Bezugsperson muss dem Hund deutlich machen, dass ab sofort sie statt seiner für Sicherheit sorgt und es nicht mehr erwünscht ist, dass er dieser Verantwortung nachkommt.

Jedoch alles, was ich über die Abläufe bei den „sacial walks“ in Erfahrung bringen konnte oder sogar selbst beobachtet habe bzw. mir von Kunden berichtet wurde, hat in keiner Weise etwas mit dem von mir genannten Mittel der Erziehung zu tun. Im Gegenteil, es handelt sich ausschließlich um solche der Konditionierung, offensichtlich mit dem Ziel der Gewöhnung. Die Hunde sollen quasi durch Erfahrung lernen, dass offenbar von ihren Rivalen keine Gefahr auszugehen scheint. Unterstützt wird dies einerseits durch Ablenkung und andererseits durch Unterbindung einer direkten Kontaktaufnahme der Hunde untereinander. Ich bezweifle deshalb, dass den Trainer*innen der wahrhaftige und von mir oben genannte Grund des agonistischen Verhaltens überhaupt tatsächlich bewusst ist. Denn dann müsste ihnen auch bewusst sein, dass es unmöglich ist, mittels der Konditionierung einem Hund den Grund für sein Verhalten zu nehmen.

Abgesehen davon, dass es in Fällen, bei denen das in der ihnen überlassenen Verantwortung begründete agonistische Verhalten besonders stark ausgeprägt ist und es zu erheblichen Aggressionen kommt, ohnehin nicht funktioniert, sie von ihrem unerwünschten Verhalten zu befreien, kann es bei relativ harmlosen Fällen jedoch durchaus zu einem Scheinerfolg kommen. Daraus ergibt sich allerdings auch eine Gefahr. Denn bei einer ausreichend langen aneinander Gewöhnung der Hunde – woraus sich übrigens auch die relativ lange Dauer einer solchen Scheinerziehung ergibt – lernen die Hunde lediglich, dass von diesen konkreten Spezies ihrer Gattung und der sie begleitenden Personen momentan keine Gefahr auszugehen scheint. Das betrifft dann aber noch lange nicht alle anderen Hunde oder Menschen, denen sie später irgendwann einmal begegnen werden. Und selbst bezüglich ihrer jetzigen „Sparringspartner“ ist es noch lange nicht gesagt, dass dieses ihnen momentan entgegengebrachte Vertrauen auch für die Zukunft gilt. Diese Beobachtung hat man schon bei Wölfen machen können, die sogar vertraute Mitglieder ihres eigenen Rudels jedes Mal aufs Neue nach ihrer Rückkehr von einem Jagdausflug einer Kontrolle unterziehen, ob ihre friedlichen Absichten auch aktuell noch gelten.

Kurzum, im besten Falle führt eine Methode der Konditionierung, wie sie der „social walk“ offensichtlich eine ist, zu einer temporären Gewöhnung der Hunde aneinander, so dass sie nach mehr oder weniger langen Lernphasen glauben, es bestünde keine Gefahr mehr. Aber auf gar keinen Fall ist den Hunden im Ergebnis eines solchen „geselligen Spaziergangs“ die Verantwortung genommen und die sie deshalb latent immer noch besitzen. Sie wandeln von nun an quasi als kleine Zeitbomben durch die Gegend und wiegen Frauchen oder Herrchen in einer Scheinsicherheit.

Soweit meine harmlose Kritik. Etwas schärfer fällt sie allerdings aus, wenn wir uns das Ganze einmal aus Sicht des Hundes anschauen. Für ihn stellt sich die Situation nämlich völlig anders dar – insbesondere anders, als es die Hundetrainer*innen, die diesen Unsinn anbieten, scheinen zu sehen. Da der Hund sich in der Verantwortung sieht, für Sicherheit zu sorgen, ist sein ganzes Streben darauf gerichtet, zunächst die Absichten der anderen abzuklären und gegebenenfalls zu verjagen. Also versucht er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, sie auf Distanz zu halten oder Kontakt zu ihnen aufzunehmen, was der Laie zumindest am Kläffen und Zerren an der Leine erkennen kann. Spätestens zu diesem Zeitpunkt beginnt seine psychische Belastungsphase, die sehr deutlich an seinem im Urin nachweisbaren ansteigenden Cortisolspiegel erkennbar ist. Solange der Hund jetzt noch das Gefühl hat, Herr der Lage zu sein, bleibt es bei diesem noch relativ harmlosen psychischen Belastungszustand. Allerdings gerät er durch den dann folgenden Aktionismus seiner Bezugsperson, die ihn an der Wahrnehmung seiner Verantwortung hindert (u.a. auf Anweisung der Hundetrainer*innen), in einen zunehmenden Konflikt. Denn er wird nicht nur an der Wahrnehmung seiner Verantwortung gehindert, sondern erfährt u.U. sogar Sanktionen. Das heißt, er wird für etwas, wofür er eigentlich eine anerkennende Geste erwartet – denn er macht nur seinen Job – reglementiert oder sogar bestraft. Dadurch stellt sich die Situation dem Hund zunehmend als unlösbar dar, was der typische Auslöser von Stress ist. In diesen mentalen Zustand gerät ein Säuger, wenn er das Gefühl hat, keinen Einfluss mehr auf die Situation zu haben und sich dieser hilflos ausgeliefert sieht. Die Folgen sind entweder das Ausweichen in ein Meideverhalten, um der unangenehmen Situation aus dem Wege zu gehen – was der Laie als Gewöhnung und der ahnungslose Hundetrainer als Trainingserfolg fehlinterpretiert –, oder die Manifestation seines Aggressionspotentials. In jedem Fall aber ist es eine unbedingt zu vermeidende Entwicklung, denn sie untergräbt nachhaltig das Vertrauensverhältnis zwischen Bezugsperson und Hund.

Ergo, empfehle ich dringend, von solchen stümperhaften Versuchen, den Hund von seinem unerwünschten Verhalten abzubringen, Abstand zu nehmen und ihn vor allem vor diesem Stress zu bewahren und ihm lieber eine vernünftige Erziehung angedeihen zu lassen. Denn Letztere entbindet ihn sogar von jeglichem Stress, da ihm die Verantwortung genommen wird.

Aber eine abschließende ironische Bemerkung kann ich mir nicht ersparen. In einem Fall beschreibt die Hundetrainerin die Zielstellung ihres „social walks“ mit den Worten: „Wir üben so lange, bis ihr Hund andere Hunde freundlich anschaut“. Hut ab; mir ist es bisher in meiner langjährigen Praxis noch nicht gelungen, mir die Fähigkeiten anzueignen, im Gesicht eines Rottweilers, Schäferhundes oder gar eines Pitbulls ablesen zu können, ab wann er seinesgleichen freundlich anschaut. Wahrscheinlich fehlen mir die Erfahrungen „geselliger Spaziergänge“!

94. Will der Hund wirklich unser Boss sein?

oder

Warum sich ein Wolf nicht erziehen lässt

Wieder einmal bat mich ein Kunde um meine Meinung zur Sinnhaftigkeit mehrerer Beiträge in den Medien, in denen Hundetrainer Erziehungs-Ratschläge für verhaltensauffällige oder aggressive Hunde geben. In diesem Fall ging es darum, was zu tun sei, wenn der Hund der Boss sein wolle und sein daraus resultierendes Verhalten störe.

Ich will mich an dieser Stelle jedoch gar nicht direkt zu den Ratschlägen äußern, die dort als vermeintliche Lösung angeboten werden, sondern die Formulierung aufgreifen „Wenn der Hund unser Boss sein will“ und versuchen, deren irreführende Botschaft zu analysieren und damit indirekt zumindest einen Teil der Ratschläge ad absurdum führen. In einer solchen Botschaft ist nämlich auch begründet, warum so viele Versuche, einen unerzogenen Hund erziehen zu wollen, scheitern bzw. sogar scheitern müssen.

Immer mal wieder höre ich davon oder werde wie in diesem Fall von Kund*innen darauf hingewiesen, dass vermeintlich kompetente Hundetrainer argumentieren, aggressives Verhalten eines Hundes sei darin begründet, dass er danach strebe, „der Chef sein zu wollen“ und sich deshalb wie ein Leinenrambo aufführe. Im gleichen Kontext stehen solche Weisheiten wie „der Hund sei dominant“ oder „er wolle der Rudelführer sein“.

Noch irrwitziger wird es, wenn behauptet wird, der Hund komme mit einer angeborenen Rudelstellung auf die Welt; und wenn diese zufällig die des Rudelführers sei und er sie aber nicht innehaben dürfe, weil der Mensch sie ihm streitig mache, käme es zu Verhaltensauffälligkeiten. Auf diesen Unsinn gehe ich hier allerdings nicht ein, weil zu dessen Widerlegung allein schon die einfache Schulbildung ausreicht, wenn man im Biologieunterricht wenigsten etwas von den Mendelschen Regeln gehört haben sollte.

All diese „Weisheiten“ lassen unkritische Zeitgenossen jedoch vermuten, der domestizierte Haushund sei immer noch ein Rudeltier oder sein Dispositionsgefüge (seine Veranlagungen, Instinkte und Bedürfnisse) habe immer noch Ähnlichkeit mit dem seines Stammvaters, dem Wolf. Und daraus schließen dann nicht nur Laien, sondern leider eben auch vermeintliche Fachleute, dass der domestizierte Haushund noch ähnliche durch Instinkte gelenkte Verhaltensweisen wie der Wolf an den Tag lege. Jedes Kind kennt schließlich die vielen Geschichten über ein wölfisches Rudelleben und das darin angeblich ablaufende Gerangel um die Rangordnung. Woraus dann die oben zitierten „Weisheiten“ resultieren.

Abgesehen davon, dass die Bildung einer Rangordnung in einem Rudel bei weitem nicht so „rüpelhaft“ abläuft wie suggeriert wird und die Unterwürfigkeit der Rangniederen sich meistens aus einer reinen Freiwilligkeit ergibt; ein domestizierter Haushund, so wie wir ihn heute vorwiegend in der westlichen Zivilisation zu Hause halten, hat damit jedenfalls nichts mehr zu tun.  

Man darf nämlich nicht vergessen, dass die Wege beider Spezies sich vor über dreißigtausend Jahren getrennt haben und die Evolution seitdem nicht geschlafen hat. Der Hund hat eine beispiellose Erfolgsstory geschrieben, die seinesgleichen sucht. Er hat wie keine andere Spezies derart erfolgreich eine Nische im Überlebenskampf gefunden, die ihn heute zum am besten angepassten Haustier des Menschen gemacht hat und seine zahlenmäßige Verbreitung den Wolf vor Neid erblassen lässt.

Allerdings zu einem hohen Preis, wenn man diesen an den Veränderungen in seinem Dispositionsgefüge bemisst. Studien haben belegt, dass ihm beispielsweise die Instinkte zur Bildung der typischen Strukturen eines Rudels, das unter anderem dadurch gekennzeichnet ist, dass die Mitglieder nicht beliebig austauschbar sind und bestimmte Rangordnungen gebildet werden, quasi abhandengekommen sind. Und zwar aus einem einfachen Grund: Er benötigt diese Fähigkeiten nicht mehr, weil er die Vorteile eines Rudellebens für sein Überleben nicht mehr benötigt. Er kann zwar immer noch in Gruppen zusammenleben, so er dazu gezwungen wird; aber einen Vorteil zieht er daraus nicht mehr. Im Gegenteil, andere Hunde stören ihn eher, als dass er deren Nähe sucht, außer während der Läufigkeit zur Weitergabe seiner Gene. Aber ein domestizierter Haushund würde, so er die Wahl hätte, sich immer gegen die Gemeinschaft mit seinesgleichen zugunsten einer monogamen Beziehung zu einem Menschen entscheiden. Denn nur das ist Garant seines Überlebens und Wohlbefindens.

Nun könnte man ja fragen, was soll’s, oder was ist dabei, wenn man unterstellt, der Hund wolle der Boss sein?

Die Antwort lautet: Dann ist die Erziehung eines Hundes, dessen störendes Verhalten angeblich in seinem Machogebaren begründet ist, quasi unmöglich!

Denn die Erziehung des Hundes, im Gegensatz zu seiner Ausbildung, muss immer auf eine Beeinflussung der in seinem Dispositionsgefüge begründeten Verhaltensweisen abzielen, denn nur dadurch führt sie zur Einsicht, was das wesentliche Merkmal einer Erziehung ist. Der Hund muss quasi anschließend aus ureigenem Interesse sich so verhalten wie er sich verhalten soll. Ansonsten wäre es keine Erziehung, sondern lediglich eine Konditionierung, so wie bei der Ausbildung. Und wenn das Dispositionsgefüge, welches immer der Auslöser des unerwünschten Verhaltens ist, irrtümlicherweise mit dem eines Wolfes verglichen wird – und das wird es, wenn unterstellt wird, der Hund wolle der Boss oder Rudelführer sein –, wird im Rahmen seiner Erziehung versucht, auf etwas Einfluss zu nehmen, was es gar nicht gibt.

Ein Hund hat es quasi im Rahmen seiner Domestikation „verlernt“, der Boss sein zu wollen oder gar der „Rudelführer“, weil gerade seine nahezu bedingungslose Unterordnung unter den Menschen ihm seinen Überlebensvorteil garantierte. Hätte er versucht, seiner menschlichen Bezugsperson wenigstens ebenbürtig sein zu wollen, geschweige denn, ihn zu dominieren, hätte der Mensch ihn zum Teufel gejagt. Das entscheidende Wesensmerkmal, welches den domestizierten Haushund deshalb von seinem Urvater unterscheidet, ist nämlich seine Unterwerfung unter den Willen und die Interessen seiner menschlichen Bezugsperson. Nur dadurch weiß er seine Grundbedürfnisse, zumindest das nach Stoffwechsel, zuverlässig befriedigt zu bekommen.

Ein Wolf hingegen, würde sich niemals „aus Überzeugung“, weil er daraus vermeintlich einen Vorteil generieren könnte, dem Menschen unterordnen. Er tut sich sogar schwer damit – selbst, wenn er schon längere Zeit in Gegenwart des Menschen lebt – bei Problemlösungen dessen Hilfe einzufordern. Er klärt stattdessen alle Probleme entweder allein oder mit Unterstützung seines Rudels. Ein Hund hingegen wird dafür immer die Hilfe des Menschen in Anspruch nehmen.

Hinzu kommt, dass die Erziehung – ebenfalls im Gegensatz zur Ausbildung – immer darauf abzielt, dem Hund den Grund für sein unerwünschtes Verhalten zu nehmen. Weil nur dadurch ihre Nachhaltigkeit gewährleistet wird. Das ist auch der Grund, warum man einen Hund niemals mit Hilfe eines Leckerlis erziehen kann. Denn durch ein Leckerli kann man keinen Verhaltensgrund aus der Welt schaffen, sondern lediglich ein temporär wirkendes Ablenkungsmanöver fahren.   

Bleibt noch die Frage nach dem Grund, warum selbst Hundetrainer glauben, der Hund wolle der Boss sein.

Die Antwort liefert das Nichterkennen des tatsächlichen Grundes, warum ein Hund sich aggressiv verhält oder an der Leine zerrt, hinter Joggern hinterherjagt oder wie von Sinnen kläfft. All die störenden Verhaltensweisen sind weder in seinem Machogebaren begründet, noch in seinem Charakter oder sonstigen negativen Veranlagungen, sondern lediglich in der ihm überlassenen oder übertragenen Verantwortung für seine und die Sicherheit der ihm anvertrauten Personen oder Ressourcen.

Im Verlaufe seiner Domestikation wurden dem Hund vorwiegend drei Aufgaben übertragen: Entweder er sollte bei der Jagd helfen oder unsere Tiere auf der Weide hüten oder er sollte uns und unser Hab und Gut beschützen. Daraus resultiert ein Wesensmerkmal in seinem Dispositionsgefüge, das ihn grundsätzlich dazu motiviert, ständig für seine und unsere Sicherheit sorgen zu wollen. Und das Ganze sogar, ohne dass wir ihm diese Verantwortung ausdrücklich übertragen. Das heißt, wenn wir ihm diese Verantwortung nicht ausdrücklich abnehmen, sorgt er von sich aus für Sicherheit. Dazu checkt er ununterbrochen die Umgebung nach Gefahren ab, versucht, jede potentielle Bedrohung auf Distanz zu halten oder greift sie sogar an.

Somit ist die Erziehung eines Hundes – und damit die Beseitigung seines unerwünschten Verhaltens – nichts anderes, als seine Entbindung von der Verantwortung. Dazu ist es lediglich notwendig, ihm zu demonstrieren, dass Herrchen oder Frauchen ab sofort und ständig für ihre gemeinsame Sicherheit sorgen. Anschließend wird man feststellen, dass Bello und Co. noch nicht einmal mehr Interesse an ihresgleichen haben, weil sie deren Absichten nicht mehr gezwungen sind zu eruieren, geschweige denn, irgendeine Gefahr verjagen zu müssen. Der Hund wird ab sofort völlig entspannt an des Menschen Seite dahinschlendern im Vertrauen, Frauchen oder Herrchen sind der Boss und sorgen für Sicherheit.

Gleiches würde bei einem Wolf allerdings nicht funktionieren. Er würde sich niemals die Verantwortung für seine Sicherheit nehmen lassen, denn das würde aus seiner Lebenserfahrung den sicheren Tod bedeuten. Deshalb ist es auch sehr schwer bis unmöglich, so genannte Wolfshunde erziehen zu wollen, selbst wenn mehrere Generationen zwischen der Kreuzung liegen. Selbst wenn sie sich anschließend scheinbar dem Schutz des Menschen anvertrauen; es wird immer ein latent vorhandenes Restrisiko des Zurückfallens in alte und durch das Dispositionsgefüge begründete Verhaltensmuster, das auf die eigenverantwortliche Abwehr potentieller Gefahren abzielt, bleiben.

93. Der Unsinn Antigiftködertraining & Co.

oder

Was sind Redundanzen und Zielkonflikte in der Hundeerziehung?

Angebote wie Antijagdtraining, Antigiftködertraining, Trainings gegen Hund springt Besucher an oder … zieht an der Leine, Hund bellt am Zaun oder Hund bleibt nicht allein, Trainings zur Impulskontrolle bis hin zu Angeboten, die sich da nennen Futterspiele, Beutespiele, Schnüffelspiele etc. pp. – macht das alles Sinn?

Immer wieder bekomme ich Anfragen von Hundehalter(innen) zur Zweckmäßigkeit solcher Angebote, die ihnen von Hundeschulen oder Hundetrainern unterbreitet werden oder von denen sie gelesen haben.

Ich könnte es mir einfach machen und auf solche Fragen pauschal mit einem „Nein“ antworten. Aber einerseits sind dafür die sich hinter den einzelnen Trainings verbergenden Probleme zu different und bedürfen einer Begründung. Andererseits – und das ist viel bedeutsamer – verbergen sich hinter den Trainings zumindest in einigen Fällen sogar absurde Zielkonflikte.

Ein Teil dieser genannten Trainings – insbesondere die erstgenannten –, wenn sie als Einzelmaßnahmen angeboten werden, sind redundant und damit schlicht und ergreifend überflüssig, denn sie machen als solche einfach keinen Sinn. Will meinen, da die Ursache für die unterstellten unerwünschten Verhaltensweisen – deren Beseitigung das Ziel solcher Trainings sein sollte – für alle identisch ist und deshalb mit einem einzigen Training aus der Welt geschafft werden kann, ist hier die Absicherung durch Redundanz unnötig.

Redundanz macht in der Hundeerziehung im Gegensatz zur Ausbildung ohnehin keinen Sinn. Mir fallen in dem Zusammenhang immer die Beschreibungen zur Rolle der Redundanz als unverzichtbares Element zur Gewährleistung der Sicherheit von Hochrisikosystemen ein wie beispielsweise in der Luftfahrt. Um ein Flugzeug und seinen Betrieb sicher zu machen und im Falle von unvermeidbaren Ausfällen die möglichen Folgen zumindest zu minimieren, werden alle für die zuverlässige Funktion zuständigen Systeme und Prozesse immer mindestens einmal oder sogar mehrmals redundant installiert oder ausgeführt. Das heißt, bei Ausfall eines Systems steht immer noch mindestens ein zweites und gleiches System für den sicheren Betrieb zur Verfügung, obwohl es für den Normalbetrieb gar nicht notwendig ist. Und der Grad der Redundanz ist abhängig von der Wahrscheinlichkeit eines Systemausfalls und seiner Folgen. Je wahrscheinlicher und je folgenschwerer ein Ausfall ist, desto höher die Redundanz.

Aber ich denke, solche Szenarien sind in der Hundeerziehung eher fehl am Platz, auch wenn, etwas spaßig gemeint, so manche Hunde durchaus als Hochrisikosysteme eingestuft werden könnten. Aber das ist hier nicht gemeint. Deshalb genügt es in unserem Kontext, einen Hund im Rahmen einer einzigen Erziehung zum Zwecke der Beseitigung seiner unerwünschten Verhaltensweisen, die alle in einer einzigen Ursache begründet sind, aus der Welt zu schaffen.

Also macht es schlichtweg wenig oder vielmehr gar keinen Sinn, zur Beseitigung ein und derselben Ursache verschiedene oder mehrere Trainings redundant anzubieten. Außer natürlich – und das könnte eine Begründung sein, warum man es trotzdem macht – man hat diese eine Ursache überhaupt nicht als solche erkannt und doktert stattdessen mittels unterschiedlichster Methoden nur an den unterschiedlichen Symptomen herum.

Zu solchen unerwünschten Verhaltensweisen, die alle nur eine einzige Ursache haben und die in einem einzigen Training beseitigt werden kann, zählen das Zerren an der Leine, das ständige Bellen oder Verbellen, das Jagen, das Nicht-allein-sein-Wollen, aggressives Verhalten in allen Varianten einschließlich Leinenaggressionen bis hin zum unerwünschten Suchen und Verspeisen von Giftködern usw., usw.

Dieser eine Grund für die aufgezählten unerwünschten Verhaltensweisen findet sich in der dem Hund überlassenen Verantwortung verbunden mit einem ihm zugestandenen zu großen Entscheidungsspielraum.

Mit anderen Worten: Der Hund bräuchte nur erzogen werden und schon wäre der Grund für alle genannten Verhaltensweisen verschwunden, denn die Erziehung ist mit seiner Entbindung von der Verantwortung und der Einschränkung seines Entscheidungsspielraums identisch. Und das ist in einem einzigen Training möglich. Im Ergebnis dessen wird er beispielsweise auch sofort das Suchen von Ködern unterlassen und zumindest beim Auffinden vor dem Verspeisen um Erlaubnis ersuchen, denn sein (nicht vorhandener) Entscheidungsspielraum lässt eine andere Verhaltensweise quasi gar nicht mehr zu.

Nun will ich den Anbietern solcher redundanten Trainingsmethoden auf gar keinen Fall Böswilligkeit in Form einer Abzocke der ahnungslosen Hundehalter unterstellen, indem sie ihnen quasi eine ganze Serie von angeblich notwendigen Hundetrainings unterjubeln, obwohl nur ein einziges Erziehungstraining notwendig wäre. Sondern ich vermute eher, dass die Ideen zu solchen separat angebotenen Trainings wieder einmal im Nichtbeachten des Unterschieds zwischen Ausbildung und Erziehung begründet ist. Denn in der Ausbildung ist Redundanz durchaus angebracht. Wenn dem Hund beispielsweise Sitz, Platz & Co. oder irgendwelche Tricks und Kunststücke beigebracht werden sollen, macht es durchaus Sinn, ihm deren zuverlässiges und sicheres Beherrschen auf mehreren und unterschiedlichen Wegen beizubringen.

Aber wir reden hier nicht von der Ausbildung des Hundes, wenn es um die oben genannten unerwünschten Verhaltensweisen geht. Sie sind vielmehr begründet in einer nicht erfolgten Erziehung. Und für eine Erziehung ist in der Regel eine Redundanz unnötig.

Zum anderen aber gibt es bei einigen der genannten Trainings sogar einen Zielkonflikt durch konkurrierende Ziele, wodurch es durchaus zu paradoxen oder absurden Situationen kommt:

So ist es beispielsweise widersinnig, wenn man zunächst mit dem Hund so genannte

Beutespiele, Futterspiele oder Schnüffelspiele zelebriert, aus welchem unsinnigen Grund auch immer, bei denen man quasi die hündischen Fähigkeiten nicht nur zum Jagen, sondern auch zum Aufklären des Reviers trainiert, und sich anschließend aber darüber „wundert“, wenn er beim Stöbern in Mutters Natur plötzlich Meister Lampe oder den Rehen hinterherjagt oder gar Giftköder mit einem ausgeprägten Enthusiasmus sucht und frisst. Und dann kommt man auf die tolle Idee, dem naiven Hundehalter ein Antijagdtraining oder ein Antigiftködertraining unterzujubeln, bei dem diese Konditionierungen wieder rückgängig gemacht werden sollen. Das ist das Gleiche, als wenn ein Unfallchirurg seiner potentiellen Klientel beibringen würde, angstfrei so oft es geht, von hohen Bäumen zu springen.

Meistens werden solche unerwünschten Konditionierungen sogar ungewollt manifestiert. Nämlich immer dann, wenn Leckerlis als Ablenkung von einem unerwünschten Verhalten ins Spiel kommen. Beispielsweise hat mir eine Kundin berichtet, dass ihr allen Ernstes beim Besuch einer Hundeschule ein Training zur Impulskontrolle zum Zwecke der Unterbindung des Jagens geraten wurde, ihren Hund in kritischen Situationen durch eine mit Leckerlis gefüllte Federtasche abzulenken, nach der sie den Hund dann suchen lassen solle. Sie wunderte sich anschließend darüber, dass ihr Liebling von da an um so aktiver das Revier nach Beute erschnüffelte.

Auch deshalb kann ich immer wieder nur von der Anwendung von Leckerlis in der Hundeerziehung abraten. In der Ausbildung bzw. Dressur kann man meinetwegen das Tier mit Leckerlis zur Freude der Leckerliindustrie und des Tierarztes vollstopfen; aber in der Erziehung haben sie nichts verloren.

91. Warum nehmen Hunde-Beißattacken zu?

oder

Liegt das vielleicht an den „modernen“ Erziehungsmethoden?

Laut des Onlinedienstes nordbayern.de habe die Zahl der vom Bayerischen Innenministerium erfassten Hunde-Angriffe deutlich zugenommen. Demnach seien vor neun Jahren 447 Menschen gebissen worden und 23 weitere das Opfer einer Kampfhund-Attacke geworden. 2018 wären es 659 Angriffe von Hunden gängiger Rassen und 45 durch so genannte Kampfhunde gewesen.

Abgesehen davon, dass aus diesen Zahlen hervorgeht, dass die so genannten Kampfhunde bzw. Listenhunde offensichtlich gar nicht das eigentliche Problem zu sein scheinen, wie immer wieder geunkt wurde, ergeben sich daraus u.a. zwei interessante Fragen: Zum einen die nach dem Warum für die steigenden Zahlen, die nicht nur in Bayern oder NRW zu verzeichnen sind und zum anderen, ob zu erwarten ist, dass die Beißattacken auch weiterhin zunehmen werden?

Die letzte Frage ist relativ schnell beantwortet: Ja, weil die Ursachen nicht beseitigt werden, wie meine Antwort auf die erste Frage zeigen wird.

Auch wenn es eine einfache Antwort auf die erste Frage nicht geben kann, denn das Problem ist komplex, und ein solches ist schon laut Definition durch eine Vielzahl an Einflussgrößen, deren Vernetztheit untereinander und ihre Intransparenz, Eigendynamik und Polytelie (unterschiedliche Zielstellungen, die mit ihren Veränderungen beabsichtigt werden) gekennzeichnet, lässt meine Antwort trotzdem den Schluss zu, dass in Zukunft die Beißattacken, oder generell die Übergriffe von Hunden auf Menschen und Tiere, zunehmen werden.

Dass es ein komplexes Problem ist, wird schon an den Erklärungsversuchen deutlich. Beispielsweise wird seitens mancher Fachleute als Begründung gerne angeführt, dass sich allein schon aus der stetigen Zunahme der Anzahl von Hunden rein rechnerisch eine Zunahme an Beißattacken ergebe; was statistisch betrachtet nicht ganz falsch ist aber als nennenswerter Grund nicht wirklich taugt. Ebenso die Erklärungsversuche durch die Vorsitzende des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) in Bayern, wonach immer mehr Hunde aus Osteuropa mit einer fragwürdigen Welpen-Prägungsphase in unser Land kämen, oder immer mehr Menschen sich einen Hund kaufen würden, die gar keine Zeit für das Tier hätten. Und auch ihr Ruf nach einem verpflichtenden Hundeführerschein ist nicht falsch, geht aber meiner Erfahrung nach ebenfalls an dem eigentlichen Problem vorbei.

Und dieses Kernproblem offenbart sich in einem ihrer weiteren Erklärungsversuche, wenn sie sagt, Hunde bräuchten neben ausreichender Betreuung und viel Auslauf aber vor allem auch Erziehung und müssten auf die Kommandos “Sitz”, “Platz” und “Fuß” hören. Denn hierin offenbart sich das eigentliche Dilemma:

Zwar nennt sie richtigerweise die fehlende Erziehung der Hunde als einen Grund, aber fehlinterpretiert nicht nur ihre zentrale Bedeutung durch das Wörtchen „auch“, sondern definiert sie obendrein auch noch völlig falsch.

Die fehlende Erziehung nur als eines von vielen Ursachen zu beschreiben, selbst wenn sie es mit der Floskel „vor allem“ einleitet, ist schon sehr fragwürdig, denn ich wage zu behaupten, dass fast alle Beißattacken in der ausgebliebenen Erziehung dieser Hunde begründet ist. Deshalb hätte dieser Grund als allererstes und wichtigstes genannt werden müssen. Denn das Beißen zählt zum natürlichen agonistischen Verhaltensrepertoire fast aller Hunderassen, welches sie auch nutzen, so ihnen zuvor der dafür notwendige Entscheidungsspielraum im Rahmen einer Erziehung nicht genommen oder eingeschränkt wurde. Und wenn ein Hund sein agonistischen Verhaltensrepertoire nutzen darf, ist ihm dieser Entscheidungsspielraum definitiv nicht eingeschränkt worden. Mit anderen Worten: Der Hund wurde schlicht und ergreifend nicht erzogen, denn die Einschränkung des Entscheidungsspielraumes ist neben seiner Entbindung von der Verantwortung das zweite Element seiner Erziehung.

Und zum anderen bestätigt sie mit ihrer Aussage wieder die von mir immer und immer wieder kritisierte Wissenslücke zum Unterschied zwischen Erziehung und Konditionierung. Denn wenn sie das Befolgen von Kommandos wie „Sitz“, „Platz“ & Co. in einem Kontext mit der Erziehung nennt, liegt der Verdacht nahe, dass auch sie diesen Unterschied nicht wirklich realisiert. Sitz, Platz & Co. haben mit der Erziehung des Hundes nämlich nichts zu tun, sondern sind ausschließlich das Ergebnis hündischer Konditionierungen. Und dass mittels einer Konditionierung kein Hund erzogen werden kann, habe ich bereits nicht nur in meinen beiden Büchern ausgiebig begründet, sondern ebenso in einer Vielzahl von Beiträgen an dieser Stelle.

Den Unterschied zwischen Erziehung und Konditionierung habe ich übrigens ausführlich u.a. im letzten Beitrag Nr. 90 beschrieben und will es deshalb hier nicht wiederholen.

In diesem quasi Nichterkennen des Unterschiedes zwischen Konditionierung und Erziehung sehe ich den Hauptgrund, warum so viele Hunde nicht erzogen sind. Denn dadurch glauben viele, ihren Hund erzogen zu haben oder ihn erziehen lassen zu haben, obwohl das, was mit dem Hund gemacht wurde, nichts anderes war, als ihn auszubilden. Denn Konditionierung und Ausbildung sind quasi identisch. Und ein Hund, der zuverlässig „Sitz“, „Platz“ & Co. beherrscht, oder sich tanzend auf einem Bein zum Clown macht, ist zwar gut ausgebildet (konditioniert), aber noch lange nicht erzogen. Denn nach seiner Konditionierung ist ja der Grund für seine Beißattacken nicht verschwunden, was bei seiner erfolgreichen Erziehung jedoch der Fall wäre.

Der Grund, der mich zu der Annahme veranlasst, die Hunde seien alle nicht erzogen, leitet sich aus der Vielzahl von Berichten enttäuschter HundehalterInnen her, die alle mindestens einen erfolglosen Hundeschulbesuch hinter sich haben, bei denen ihre Hunde entsprechend ihres vorgebrachten Wunsches hätten erzogen werden sollen. Wenn ich mir dann jedoch die Methoden beschreiben lasse, mit denen die Erziehungsversuche seitens der Hundetrainer unternommen wurden, dann kann es sich nur um Konditionierungsversuche gehandelt haben.

Und damit sind wir wahrscheinlich beim eigentlichen Problem, was letzten Endes zu der hohen und weiterhin steigenden Anzahl an Beißattacken führt: Die Hunde werden schlicht und ergreifend gar nicht erzogen. Und das nicht etwa, weil es jemand vielleicht vergisst oder nicht will. So eigenartig es sich anhören mag, der Grund dafür liegt in der fachlichen Unkenntnis vieler Hundetrainer(innen), was eine Erziehung des Hundes eigentlich ausmacht. Die so genannten „modernen Erziehungsmethoden“ führen wahrscheinlich dazu, dass viele Hundetrainer im guten Glauben meinen, den Hund zu erziehen oder erzogen zu haben; tatsächlich ihn jedoch nur konditioniert haben.

Und woran das wiederum liegt, werde ich in einem meiner nächsten Beiträge erläutern. Nur soviel vorab: Es hat im weitesten Sinne etwas damit zu tun, was das Fernsehen heute „im harten Dienst der Volksverblödung Tag um Tag unternimmt“ – wie Eberhard Schwanitz es in seinem Werk „Bildung – alles, was man wissen muss“ nennt.

90. WARUM IST EIN HUND AGGRESSIV ODER VERHALTENSAUFFÄLLIG?

oder

Was bewirkten Tausende Jahre Domestikation?

Kürzlich fragte mich eine Kundin – die mich gerufen hatte, um ihren „Leinenaggressor“ zur Räson zu bringen –, warum sich ihr Hund eigentlich so verhalte, wie er sich verhalte. „Warum zerrt er wie von Sinnen an der Leine oder bellt und kläfft jeden an, als wolle er ihn auffressen? Oder warum fixiert und jagt er jeden und alles?“ Kurzum, warum sei ihr Hund so aggressiv?

Dazu mussten wir uns die Wirkung von über 30.000 Jahren Domestikation in Erinnerung rufen. Denn um das Verhalten eines Hundes zu verstehen, muss man deren evolutionsbiologischen Einfluss und die daraus resultierenden Konsequenzen akzeptieren. Im Wesentlichen geht es um das Verständnis und die Akzeptanz zweier Sachverhalte:

Zum einen lebt der Hund seit vielen Tausenden von Jahren mit uns Menschen in einer oftmals monogamen Beziehung. Das hat unter anderem zur Folge, dass er mittlerweile kein Rudeltier mehr ist – zumindest nicht mehr im Sinne der Verhaltensbiologie –, denn ihm sind die Vorteile einer solchen Lebensform quasi abhandengekommen. Darüber darf auch nicht hinwegtäuschen, dass er, wenn die Umstände ihn dazu zwingen, durchaus noch in der Lage ist, in einer Meute seinesgleichen zusammenzuleben. Aber nicht nur die Instinkte zur Bildung der typischen Strukturen eines Rudels, in der zum Beispiel die Mitglieder nicht beliebig austauschbar sind, sind ihm weitestgehend verlorengegangen, sondern auch das Bedürfnis. Stattdessen entdeckte er für sich die ökologische Nische der intensiven Beziehung mit möglichst nur einer einzigen Bezugsperson und schrieb auf dieser Basis seine in der Tierwelt beispiellose Erfolgsstory. Metaphorisch könnte man sogar sagen, dass er, wenn man ihn fragen und er auch antworten könnte, ob er es bevorzugen würde, lieber mit anderen Mitgliedern seiner Spezies zusammen zu sein oder lieber allein mit einem Menschen, sich immer für Letzteres entscheiden würde.

Und eine daraus resultierende Konsequenz ist zum Beispiel, dass solche Ideen wie organisierte Hundetreffen oder Hundeausbildungen in Gruppen mit Sicherheit nicht auf hündischem Mist gewachsen wären. Sie sind eher dem Anthropomorphisieren geschuldet und somit Resultat des Projizierens menschlicher Interessen und Bedürfnisse auf den Hund. Kurzum, der Hund würde es immer bevorzugen, mit uns allein zu sein. Denn er liebt es geradezu, die ungeteilte Aufmerksamkeit seines Menschen zu genießen; weshalb ihn andere Hunde sogar stören.

Zum anderen hatte der Hund während dieses Zusammenlebens mit uns im Wesentlichen nur drei Aufgaben bzw. wurden ihm nur drei Aufgaben übertragen. Entweder er sollte uns bei der Jagd unterstützen, oder er sollte auf der Weide das Vieh hüten oder unser Hab und Gut bewachen. Später kamen zwar noch eine Reihe weiterer spezieller Pflichten hinzu wie das Zerren eines Schlittens quer durch Sibirien oder das um die Wette-Rennen hinter einem Stoffkaninchen und andere Spür-, Such- und Rettungsspezialitäten bis hin zu sehr unappetitlichen Perversitäten, wenn ich an die sogenannten Kampfhunde oder Hunde im Kriegseinsatz denke, bei denen der Mensch sehr geschickt zu seinem eigenen Vorteil nicht nur die hündischen Fähigkeiten und Instinkte ausnutzte, sondern ebenso seinen unbeugsamen Willen, uns gefallen zu wollen. Aber im Grunde genommen hatten die drei erstgenannten Aufgaben den entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung seiner Psyche. Und eines der sich daraus entwickelten Hauptmerkmale ist sein Beschützerinstinkt. Er will nämlich, indem er sein eigenes Grundbedürfnis nach Sicherheit befriedigt, uns Menschen – besser gesagt seine Bezugspersonen und Ressourcen – stets und ständig vor allen potentiellen Gefahren bewahren.  

Unter dem Einfluss dieser beiden Sachverhalte entwickelte sich dann das typische Dispositionsgefüge eines Haushundes, wie es sich heute in den Veranlagungen, Instinkten, Bedürfnissen und dem Charakter vieler Hunderassen offenbart. Zumindest bei all denen, bei denen die oben genannten Veranlagungen zielgerichtet selektiert wurden. Dazu zählt, dass er für sein Überleben nicht nur andere Hunde nicht benötigt, sondern in ihnen sogar grundsätzlich Konkurrenten, Rivalen oder gar potentielle Bedrohungen sieht. Deshalb ist auch sein Interesse, Kontakt zu anderen seinesgleichen aufzunehmen, darauf beschränkt, entweder die eigenen Gene weiterzugeben oder ihre Absichten abklären zu wollen, ob von ihnen eventuell irgendeine Gefahr ausgeht. Insofern ist es sicherlich auch ein Irrtum anzunehmen, es würde seinem Bedürfnis entsprechen, ihn außerhalb der Läufigkeit mit möglichst vielen anderen seiner Spezies zusammentreffen zu lassen. Im Gegenteil, aufgrund seines Beschützerinstinktes möchte er am liebsten alles und jeden von uns und sich fernhalten. Und dazu nutzt er in der Regel sein gesamtes agonistisches Verhaltensrepertoire einschließlich seiner Aggressionen.

Ich habe übrigens diesem Thema des Zusammentreffens von Hunden bei vom Menschen organisierten Veranstaltungen in einem meiner beiden Bücher ein extra Kapitel gewidmet und einmal beschrieben, welches typische Verhalten einschließlich Stressniveau bei den teilnehmenden Hunden beobachtet und registriert werden kann. Das Ganze hat mit Freude oder Glücksgefühlen nicht allzu viel zu tun. Der im Urin dieser Hunde gemessene Cortisolspiegel sollte jeden Hundehalter, der seinen Vierbeiner liebt, dazu veranlassen, jegliche Einladung zu solchen Hundetreffen, die oftmals nur der Bedürfnisbefriedigung der Veranstalter dienen, auszuschlagen. Jedenfalls würde kein Hund außerhalb seiner Läufigkeit jemals auf die Idee kommen, ein Hundetreffen zu organisieren oder gar freiwillig daran teilzunehmen.

Aus diesem Dispositionsgefüge resultiert nun wiederum sein konkretes Verhalten, was dem Laien oftmals als auffällig, störend oder gar unbegründet aggressiv erscheint. Was es objektiv betrachtet aber gar nicht ist. Denn aus hündischer Perspektive ist es nichts anderes, als die Wahrnehmung nicht nur seines legitimen Rechts auf Selbstverteidigung, sondern sogar seiner Pflicht, für unsere gemeinsame Sicherheit zu sorgen. Denn wir haben es seit Tausenden von Jahren so von ihm verlangt. Und die erste Handlung oder Voraussetzung, unsere Sicherheit gewährleisten zu können – wenn mir die Metapher des Militärs einmal gestattet sei – ist die Aufklärung des vor der „Truppe“ befindlichen Geländes. Beim Militär nennt man das Ganze „Truppenaufklärung“. Und das möglichst weit voraus, um rechtzeitig reagieren und potentielle Bedrohungen schon weit vor der nachrückenden „Truppe“ unschädlich machen zu können. Die Begrenzung des Aufklärungsradius geben die technischen Mittel und Möglichkeiten vor. Beim Hund ist es die Länge der Leine. (Deshalb würde ich übrigens auch davon abraten, wie es manchmal in diesem Kontext empfohlen wird, ihm eine Schleppleine anzulegen, um ihm vermeintlich mehr Freiheit zu geben und trotzdem unter Kontrolle zu behalten. Es wäre jedenfalls das falsche Signal, indem ihm nämlich demonstrativ ein noch größeres „Aufklärungsgebiet“ übertragen wird.) Also zerrt er an der ihn eingrenzenden Leine wie von Sinnen, um Bedrohungen schon weit im Voraus identifizieren zu können. Und sollte tatsächlich eine solche am Horizont erscheinen, wird sie nicht mehr aus den Augen gelassen. Falls sie nicht von selbst den Rückzug antritt oder sogar zu nahekommt, wird mit allen Mitteln gedroht und gewarnt und versucht sie zu verjagen. Kommt es trotzdem zu einem direkten Kontakt, wird sie mit allen Sinnen gecheckt und ihre möglichen Absichten aufgeklärt. Und stellt sich heraus, dass von ihr keine Gefahr ausgeht, wird sie in der Regel sofort ignoriert, und jegliches Interesse verblasst von jetzt auf gleich (mit einer Ausnahme: Die Gegnerin ist läufig).

Bleibt die Frage nach der Lösung:

Zunächst einmal müssen jeder Hundehalter und jede Halterin für sich selbst entscheiden, ob dieses natürliche Verhalten ihrer Vierbeiner sie stört und dabei berücksichtigen, ob möglicherweise die Interessen und Rechte anderer beeinträchtigt sein könnten. Falls nicht – beispielsweise, wenn dem Hund bewusst die Sicherheit von Haus und Hof anvertraut und gleichzeitig eine ungewollte Belästigung oder Gefährdung anderer ausgeschlossen wurde – kann eigentlich alles so bleiben wie es ist. Denn das sich aus dieser dem Hund überlassenen Verantwortung ergebende Verhalten ist ein völlig natürliches, weil ursprünglich von ihm erwartetes.

Anders sieht es jedoch aus, wenn dieses Verhalten stört oder die physische und psychische Unversehrtheit anderer Tiere und Personen, insbesondere von Kindern, gefährdet ist. Dann sind Halter oder Halterin zum Handeln verpflichtet. Und das heißt, der Hund muss erzogen werden. Will meinen, ihm muss der Grund für sein jetzt unerwünschtes Verhalten genommen werden.

Und einen Hund zu erziehen, indem man ihm den Grund für sein Verhalten nimmt, heißt, ihm demonstrativ sowohl die Verantwortung für die Sicherheit zu nehmen als auch seinen Entscheidungsspielraum, diese wahrnehmen zu können, drastisch einzuschränken. Dazu müssen Frauchen und Herrchen ab sofort und unter allen Umständen demonstrativ selbst statt seiner für beider Sicherheit sorgen und jegliches unerwünschte Verhalten konsequent unterbinden. Im Ergebnis einer solchen Erziehung versteht der Hund dann, dass er ab sofort für die Sicherheit nicht nur nicht mehr verantwortlich ist, sondern im Gegenteil, es ihm sogar untersagt ist.

Darin unterscheidet sich übrigens auch seine Erziehung wesentlich von seiner Ausbildung. Denn Letztere ist im Gegensatz zur Erziehung dadurch gekennzeichnet, dass dem Hund etwas beigebracht wird, wofür ihm die natürlichen Instinkte fehlen (Sitz, Platz & Co.) Im Ergebnis der Erziehung hingegen soll er etwas unterlassen, was er ansonsten aufgrund des Vorhandenseins von Instinkten tun würde.

Und für viele meiner Kundinnen und Kunden ist es der schönste „Nebeneffekt“ der Erziehung ihres besten Freundes, dass sie ab sofort ein wesentlich entspannteres Leben mit ihm genießen dürfen; denn Konkurrenten, Rivalen oder Bedrohungen existieren für ihn quasi nicht mehr. Und in der Regel kann sogar ganz auf eine Leine verzichtet werden, so örtliche Regularien nicht dagegensprechen. Denn ein Hund, der keine Verantwortung mehr trägt, hat keinerlei Grund und Interesse mehr, sich von seiner alles geliebten Bezugsperson zu entfernen. Für ihn ist es vielmehr das Größte, ihre Nähe und liebevolle Zuwendung zu genießen und mit ihr herumzutollen. Es ist eine Mär, es sei hündisches Bedürfnis und Garant seines Wohlbefindens oder Ausdruck einer ihm zugestandenen Freiheit, im Gelände herumzustöbern und mit seinesgleichen zu kommunizieren. Im Gegenteil, Letzteres ist ausschließlich in seiner ihm überlassenen oder übertragenen Verantwortung begründet und eher Garant für Stress.

Ein von seiner Verantwortung entbundener Hund ist demgegenüber nahezu tiefenentspannt und ausschließlich auf seine Bezugspersonen fokussiert. Denn seine Aufmerksamkeit wird nicht mehr für die Aufklärung des Geländes und dem Erkennen und Abwehren von Bedrohungen in Anspruch genommen, sondern er kann sie von nun an ausschließlich seiner Bezugsperson widmen, deren Schutz und Zuwendung er jetzt in vollen Zügen genießen kann. Der gemessene, oder besser gesagt kaum messbare Cortisolspiegel im Urin solcher Hunde lässt den Schluss zu, dass das Gefühl von Stress weitestgehend abwesend ist. Bei ihnen ist vielmehr das „Kuschelhormon“ Oxytocin anwesend.

Allerdings hat das Ganze nichts mit einer artgerechten oder nicht artgerechten Haltung zu tun, wie möglicherweise angenommen werden könnte. Beide hier beschriebenen Hunde, sowohl der, der die Verantwortung trägt, als auch der, der sie nicht mehr trägt, können artgerecht gehalten sein. Denn wie gesagt, die Verantwortung beispielsweise für die Sicherheit von Haus und Hof zu tragen, ist seit Tausenden von Jahren hündische Routine. Die Frage ist nur: Stört das daraus resultierende Verhalten und ist mir die psychische Belastung des Hundes egal?

Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. 

89. Die zum Scheitern verurteilten Versuche der “positiven Bestärkung”

88. HUNDETRAINING IN EIGENER SACHE

87. SOLLTE ICH MEINEN HUND KASTRIEREN LASSEN?

Kontakt

Hundetrainer
Sascha Bartz
Gartenweg 5, 18233 Carinerland

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