Allgemeine Geschäftsbedingungen „Hundetrainer Bartz“.

Diese AGB´s sind Vertragsbestandteil. Wenn im Text die maskuline Form benutzt wird, gilt gleichsam die feminine.

1. Vertragsinhalt / Geltung

Die folgenden AGB´s sind Grundlage für jede Geschäftsbeziehung des Hundetrainers „Hundetrainer-Bartz“ und Kunden, die das Hundetraining wahrnehmen oder den Shop nutzen. Der Kunde erhält im Rahmen des Trainings Handlungsvorschläge für eine artgerechte Hundeerziehung. Eine Erfolgsgarantie kann daraus jedoch nicht abgeleitet werden. Der Erfolg hängt in erster Linie vom Wesen des Hundes und seinen Veranlagungen sowie der Konsequenz des Hundehalters im Anschluss an das Training ab.

2. Vertragsschluss

Mit der Anmeldung zu einem Angebot des Hundetrainers „Hundetrainer-Bartz“ bietet der Kunde verbindlich einen Vertragsabschluss an. Die Anmeldung ist bindend für den Kunden und verpflichtet zur Zahlung der vereinbarten Trainingsgebühr. Der Vertrag kommt erst mit der Annahme durch die Hundeschule zustande. Durch den Vertragsabschluss gelten unsere AGB´s als anerkannt.

3. Lieferungen

3.1. Widerrufsrecht

Die im Folgenden getroffenen Angaben zu einer Buchbestellung treffen nur zu, wenn ein Buch direkt bei “Hundetrainer-Bartz” bestellt und von ihm versandt wird. Sie treffen nicht zu, wenn die Buchbestellung über einen verlinkten Buchhandel wie BoD erfolgt; dann gelten die AGB’s des Buchhandels.

Der Kunde kann die erhaltenen Bücher ohne Angabe von Gründen innerhalb von 14 Tagen durch Rücksendung zurückgeben. Die Frist beginnt nach Erhalt dieser Belehrung in Textform (z.B. Brief, Fax, E-Mail), jedoch nicht vor Eingang der Ware beim Empfänger und auch nicht vor Erfüllung unserer Informationspflichten. Zur Wahrung der Frist genügt die rechtzeitige Absendung der Ware an folgende Anschrift:

Sascha Bartz
Gartenweg 5
18236 Neu Karin

Im Falle einer wirksamen Rückgabe sind die beiderseits empfangenen Leistungen zurückzuerstatten und ggf. gezogene Nutzungen (z.B. Gebrauchsvorteile) herauszugeben. Bei einer Verschlechterung der Ware kann Wertersatz verlangt werden. Dies gilt nicht, wenn die Verschlechterung der Ware ausschließlich auf deren Prüfung, wie sie Ihnen etwa im Ladengeschäft möglich gewesen wäre, zurückzuführen ist. Sie können die Pflicht zum Wertersatz für eine durch die bestimmungsgemäße Ingebrauchnahme der Sache entstandene Verschlechterung vermeiden, indem Sie die Ware nicht wie Ihr Eigentum in Gebrauch nehmen und alles unterlassen, was deren Wert beeinträchtigt. Haben Sie sich den Inhalt des Buches zugänglich gemacht und es damit in Gebrauch genommen, entspricht der Gebrauchsvorteil, den Sie aus der Sache gezogen haben, dem Wert des Buches. Verpflichtungen zur Erstattung von Zahlungen müssen innerhalb von 30 Tagen erfüllt werden. Die Frist beginnt für Sie mit der Absendung der Ware, für uns mit dem Empfang.

3.2. Gewährleistung

Die Gewährleistung erfolgt nach den gesetzlichen Bestimmungen, wobei wir im Falle eines Mangels der Ware nach Ihrer Wahl zunächst nachliefern oder nachbessern. Schlägt die Nachbesserung fehl oder ist die nachgelieferte Ware ebenfalls mangelbehaftet, können Sie die Ware gegen Rückerstattung des vollen Kaufpreises zurückgeben oder die Ware behalten und den Kaufpreis mindern. Mängel, Falschlieferungen, Fehlmengen, zuviel gelieferte oder falsch bestellte Waren müssen innerhalb von 8 Tagen geltend gemacht werden. Andernfalls gilt die Ware als mängelfrei.

3.3. Versandkosten

Die Versandkosten richten sich nach den aktuell geltenden Kostensätzen der Versendedienstleister und betragen momentan 4,09 EUR. Wir behalten uns vor, diese bei Änderungen anzupassen.

4. Preise und Bezahlung

Die Preise für das Training und die Bücher sind auf der aktuellen Webseite “Hundetrainer-Bartz” aufgelistet, können aber auch telefonisch oder per e-mail erfragt werden. Alle Preise sind in EURO einschl. der gesetzlichen Mehrwertsteuer angegeben und falls nicht anders vereinbart, im Voraus in bar oder per Überweisung zu entrichten.

5. Rücktritt vom Vertrag durch die Hundeschule

Die Hundeschule „Hundetrainer-Bartz“ kann vom Vertrag zurücktreten, wenn

  • der Kunde sich vertragswidrig verhält oder das Ziel der Ausbildung oder andere Teilnehmer gefährdet.
  • der Hundetrainer ausfällt oder bei sonstigen unvorhersehbaren Ereignissen, z.B. Wetterverhältnisse, die eine Durchführung des Trainings unzumutbar machen. In diesem Fall wird die Trainingsstunde in Absprache mit dem Kunden möglichst schnell nachgeholt.

6. Rücktritt vom Vertrag durch den Kunden

Der Kunde muss ein Training mindestens 48 Stunden vor Trainingsbeginn absagen. Ansonsten liegt die Berechnung des Trainings im Ermessen des Trainers. Ein Ersatztermin muss in diesem Fall vom Kunden benannt werden.

7. Haftpflichtversicherung und Verantwortung

Für jeden teilnehmenden Hund muss eine gültige Haftpflichtversicherung bestehen. Jeder Hundehalter nimmt selbst am Training teil. Er ist auch während dieser Zeit verantwortlicher Tierhalter und Tieraufseher im Sinne der §§ 833, 834 BGB. Auch während der Trainingszeit obliegt dem Hundehalter die Führung des Tieres eigenverantwortlich, sie wird nicht an den Trainer abgetreten.

8. Impfschutz

Der Besitzer des Hundes erklärt, dass sein Hund frei von ansteckenden Krankheiten ist und über einen ausreichenden Impfschutz verfügt. An einem Training können nur Hunde teilnehmen, die über einen jeweils notwendigen Impfschutz verfügen.

9. Haftung

Die Hundeschule „Hundetrainer-Bartz“ übernimmt keinerlei Haftung für Personen-, Sach- oder Vermögensschäden, die dem Hundehalter oder seinem Hund oder Begleitpersonen durch die Anwendung der gezeigten Übungen, den Freilauf der Hunde, Rangeleien von eigenen oder fremden Hunden im Freilauf entstehen. Eine Haftungsverpflichtung besteht nur bei grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz der Hundeschule. Alle Begleitpersonen sind von dem Haftungsausschluss in Kenntnis zu setzen. Der Hundehalter haftet in vollem Umfang nach Maßgabe der gesetzlichen Haftungsregelung für jegliche Schäden die sein Hund verursacht. Soweit es im Rahmen der Ausbildung notwendig ist, den Hund von der Leine zu lassen, weisen wir ausdrücklich auf die gesetzlichen Bestimmungen hin. Die Hundeschule kann nur eine Empfehlung aussprechen, der Hundehalter handelt eigenverantwortlich.

10. Erfolgsgarantie

Die Hundeschule „Hundetrainer-Bartz“ übernimmt keine Erfolgsgarantie für die im Unterricht vermittelten Inhalte. Sie versichert jedoch, diese nach bestem Wissen und Gewissen zu vermitteln.

11. Datenschutz

Soweit es zur Organisation der Hundeschule notwendig ist, dürfen personenbezogene Daten des Kunden für eigene Zwecke erhoben, gespeichert und verarbeitet werden. Für Aufnahmen, egal welcher Art, gilt grundsätzlich ein unbegrenztes Nutzungsrecht für die Hundeschule. Der Teilnehmer hat die Möglichkeit, diesem Nutzungsrecht zu widersprechen. Der Widerspruch muss schriftlich erfolgen.

12. Urheberrecht

Sämtliche Trainingsmethoden, die der Hundetrainer während des Trainings des Hundes und seines Halters anwendet, sind das Know-how der Hundeschule “Hundetrainer-Bartz” und unterliegen dem urheberrechtlichen Schutz. Der Kunde darf sie nur im Interesse des Trainingszweckes seines eigenen Hundes anwenden und nutzen. Die Verbreitung und Bekanntgabe gegenüber Dritten ist hiermit ausdrücklich untersagt.

13. Unwirksamkeitsklausel

Salvatorische Klausel

Sollten einzelne Bestimmungen dieses Vertrages unwirksam sein oder den gesetzlichen Regelungen widersprechen, wird hierdurch der Vertrag im Übrigen nicht berührt. Die unwirksame Bestimmung wird von den Vertragsparteien einvernehmlich durch eine solche Bestimmung ersetzt, welche dem wirtschaftlichen Sinn und Zweck der unwirksamen Bestimmung in rechtswirksamer Weise am nächsten kommt. Die vorstehende Regelung gilt entsprechend bei Regelungslücken.

14. Haftung für Links

Die Hundeschule „Hundetrainer-Bartz“ distanziert sich im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen ausdrücklich von allen Inhalten aller verlinkten Webseiten. Für diese Inhalte sind die jeweiligen Eigentümer der Webseiten verantwortlich. Der Inhalt dieser Webseite darf ohne ausdrückliche Zustimmung des Eigentümers weder kopiert, verbreitet, verändert noch auf andere Weise verwendet werden.

15. Gerichtsstand

Der Gerichtsstand ist Bad Doberan

96. “Macht es überhaupt Sinn, meinen Hund zu erziehen, wenn andere ihre Hunde nicht erziehen?”

Immer mal wieder erreichen mich solche resignierend klingenden Fragen oder beklagen sich Kunden (zum Zweck der leichteren Lesbarkeit verwende ich nur die männliche Form) mir gegenüber, dass der Erfolg, den wir bei der Erziehung ihrer „Leinenrambos“ relativ schnell erreicht haben, sofort wieder zunichte gemacht werde durch das unvernünftige Verhalten anderer Hundehalter. Damit meinen sie insbesondere deren Unart, ihre Hunde ohne Zustimmung meiner Kunden zu ihren Hunden Kontakt aufnehmen zu lassen.

Dies führe beispielsweise meine Forderung nach einer konsequenten „Therapietreue“ – auch Compliance genannt –, die die unabdingbare Voraussetzung für die Nachhaltigkeit einer erfolgreichen Hundeerziehung sei, ad absurdum. Denn all ihr Bemühen, meine Forderungen durchzusetzen, zu denen unter anderem auch eine Kontaktvermeidung zu fremden Hunden zähle, werde quasi zunichte gemacht oder sei schier unmöglich.

Es scheint offenbar eine unter vielen Hundehaltern weit verbreitete Unsitte zu sein, die Hunde ohne Zustimmung der anderen Halter untereinander Kontakt aufnehmen zu lassen. Ich selbst kann dies aus eigener Erfahrung hinlänglich bestätigen. Wenn ich beispielsweise andere Halter auffordere, ihre Hunde bitte zurückzuhalten, widerfährt mir nicht selten, dass ich nicht nur auf deren Unverständnis stoße, sondern sogar recht böse Reaktionen erfahre. Will sagen, viele Halter fühlen sich offensichtlich sogar im Recht mit ihrer Unvernunft und sehen es vermutlich als eine Art natürliches Recht ihrer Hunde an, zu allen und jedem ihrer Artgenossen – unabhängig davon, ob sie sich jemals zuvor begegnet sind oder nicht – Kontakt aufnehmen zu lassen. Einer Recherche zufolge glauben sie sogar, damit ihren Hunden eine artgerechte Haltung zu gewährleisten, weil es artspezifisch sei, dass Hunde untereinander Kontakt aufnehmen wollen.

(Warum letztere Konklusion Unfug ist, habe ich übrigens ausführlich in meinen beiden Büchern begründet.)

Hinzu kommt aber auch, dass seitens dieser unvernünftig handelnden Zeitgenossen die Auffassung vertreten wird, dass andere Halter dies zu akzeptieren oder zumindest zu dulden hätten.

Ist das aber wirklich so?

Zum besseren Verständnis macht es Sinn, dass ich an dieser Stelle nochmal den Kontext erläutere, in dem wir uns hier gedanklich bewegen.

Dazu ist es notwendig zu klären, über welche Hunde wir hier eigentlich sprechen, um dann die Notwendigkeit einer konsequenten Kontaktvermeidung zu rechtfertigen:

Vielleicht beginne ich besser mit der Beschreibung derer, die ich hier nicht meine. Denn dann wird das, was ich meine, vielleicht noch etwas deutlicher. Ich spreche, wenn ich von zu erziehenden Hunden und der damit einhergehenden anschließenden Kontaktvermeidung zu ihresgleichen spreche, nämlich nicht von Oma Hedwigs und Tante Liesbeths Schoßhündchen, deren Problem darin besteht, dass sie sich bei den tagtäglichen Begegnungen ihrer Frauchen auf der Straße wie Brummkreisel um sich selbst drehend am Hinterteil beschnüffeln und dabei doppelte Palsteks in ihre Leinen tütern, worüber sich dann die beiden älteren Damen sogar noch köstlich amüsieren, während sie versuchen, sich nicht selbst in diesem Knäuel an Leinen zu verheddern.

Nein, ich spreche hier vielmehr von Rottweiler & Co., deren nicht nur unerwünschtes, sondern oftmals sogar gefährdendes unsoziales Verhalten für ihre Besitzer zu einem ernstzunehmenden Problem geworden ist. Dabei kann sogar das nervende Zerren an der Leine oder Verbellen jedes anderen Wesens noch als harmlos eingestuft und vielleicht sogar außer Acht gelassen werden. Nicht selten geht es hier vielmehr um intraspezifische oder interspezifische Aggressionen, welche jegliches Bewegen in urbaner Umgebung mit ihnen für ihre Halter zu einem Martyrium oder unmöglichen Unterfangen hat werden lassen. In einigen Fällen sind Beißattacken oder sogar Übergriffe auf Kinder zu beklagen, so dass der Amtstierarzt schon ein Wörtchen mitzureden hat.

Kurzum, es geht hier um Hunde, deren Erziehung zwingend angezeigt ist, um ein Zusammenleben mit ihnen überhaupt noch zu ermöglichen, oder dieses zumindest erträglich zu machen. Und in einigen speziellen Fällen geht es sogar darum, ihnen das Einschläfern zu ersparen.

Und dazu muss man wissen, dass – nur mit Ausnahme des Jagdverhaltens und Verhaltens während der Läufigkeit – alle typischen unerwünschten Verhaltensweisen zum sogenannten agonistischen Verhaltensrepertoire zählen, die der erfolgreichen Auseinandersetzung mit Rivalen, Konkurrenten oder Feinden dienen. Allerdings setzen Hunde dieses agonistische Verhaltensrepertoire nur dann ein, wenn sie einerseits auch die Verantwortung für ihre eigene Sicherheit oder die der ihrem Schutz anvertrauen Personen und Ressourcen tragen und andererseits ihnen dafür ein ausreichender Entscheidungsspielraum zugestanden wurde. Ansonsten gäbe es weder einen Grund noch die Möglichkeit, dieses Verhalten an den Tag zu legen.

Ein typisches Indiz dafür, dass dem Hund eine solche Verantwortung überlassen oder übertragen wurde und er auch einen ausreichenden Entscheidungsspielraum besitzt, ist sein demonstrierter Wille zum Aufklären des Reviers und Abklären der Absichten Fremder, um auszuschließen, dass von ihnen irgendeine Gefahr oder Bedrohung ausgeht. Insofern ist die Absicht, Kontakt zu einem fremden Artgenossen aufzunehmen, ausschließlich darin begründet, abzuklären, ob dieser böswillig oder friedlich gestimmt ist.

Somit besteht das Ziel der Erziehung eines Hundes darin, ihn von dieser Verantwortung zu entbinden und seinen dazugehörigen Entscheidungsspielraum einzuschränken. Denn die Entbindung von seiner Verantwortung ist gleichzusetzen mit der Beseitigung des Grundes für sein unerwünschtes Verhalten und die Einschränkung seines Entscheidungsspielraums mit der Beseitigung seiner Möglichkeit dazu. Und da eine Erziehung nur von Erfolg gekrönt sein kann, wenn der Grund für ein Verhalten beseitigt ist – da eine Erziehung immer darauf abzielt, beim zu Erziehenden eine „Einsicht“ zu bewirken –, ist die Entbindung von der Verantwortung die Ultima Ratio. (Weshalb übrigens auch jeglicher Versuch der Konditionierung oder Ablenkung beispielsweise mittels Leckerlis als Erziehungsversuch zwangsläufig zum Scheitern verurteilt ist, weil er keinen Verhaltensgrund beseitigt.)

Allerdings macht das Ganze für den Hund nur dann Sinn und führt bei ihm zur „Einsicht“, wenn ab sofort Herrchen oder Frauchen statt seiner dieser Verantwortung nachkommen. Und dieser Verantwortung für die Gewährleistung der Sicherheit von Hund und Mensch muss Herrchen oder Frauchen unter allen Umständen und konsequent wahrnehmen. Weil, sowie der Hund den leisesten Zweifel daran hegen muss, dass Herrchen oder Frauchen weder willens noch in der Lage sind, dieser Verantwortung überhaupt gerecht zu werden, wird er sie sofort selbst wieder übernehmen und in sein altes Verhaltensmuster zurückfallen. Insofern ist die Compliance von ultimativer Bedeutung.

Die beiden Trainingsmethoden, die für eine erfolgreiche Erziehung zur Verfügung stehen sind einerseits die Demonstration – mit deren Hilfe dem Hund die Verantwortung genommen wird – und andererseits die Korrektur – mittels derer dem Hund der Entscheidungsspielraums eingeschränkt wird.

Und nun sollte doch eigentlich die Schlussfolgerung nicht allzu schwerfallen, zu erkennen, dass die empfohlene Kontaktvermeidung zu fremden Hunden im Anschluss an eine erfolgreiche Entbindung von der Verantwortung eine logische Folge ist. Denn die Erziehung durch Entbindung von der Verantwortung führt quasi dazu, dass der Hund keinerlei Anlass oder Grund mehr sieht, überhaupt noch Kontakt zu einem Fremden aufzunehmen. Ein erzogener Hund, dem die Verantwortung genommen wurde, neigt dazu – außer während der Läufigkeit – ein sichtliches Desinteresse an Fremden zu demonstrieren.

Die Gefahr eines Rückfalls in alte Verhaltensmuster ist jedoch enorm, sowie die Halter ihrem Hund doch wieder den Kontakt zu Fremden „ermöglichen“, ungewollt oder absichtlich. Denn der Hund kann nur schwer unterscheiden, ob diese Kontaktaufnahme „aus Versehen“ und ohne Willen von Herrchen oder Frauchen geschieht, oder ob dahinter wieder der Auftrag zum Aufpassen steht.

Deshalb ist es durchaus eine jeweils hilfreiche Situation für eine Nachhaltigkeit des Erziehungserfolges, wenn die Hundehalter gegenüber Fremden laut und konsequent mit der Aufforderung, ihre Hunde bitte zurückzuhalten, ihrem eigenen Hund demonstrieren, dass sie gewillt und in der Lage sind, für ihre beider Sicherheit zu sorgen.  

95. Kann man einen verhaltensauffälligen Hund im Rahmen eines „social walks“ wirklich erziehen?

oder

ein weiterer zum Scheitern verurteilter Versuch der Konditionierung?

Eine Kundin machte mich auf eine Methode einer angeblichen Hundeerziehung aufmerksam, die viele Hundeschulen anböten und bat mich um meine Expertise. Sie hatte mich zuvor kontaktiert, um ihren „Leinenrabauken“ von seinen „Macken“ zu befreien. Denn – ihren Worten nach – sei mit ihrem Hund ein entspanntes Gassigehen mittlerweile unmöglich geworden und jede Begegnung mit seinesgleichen gipfele in eine Art Überlebenskampf. Und deshalb fragte sie mich, ob ich denn auch solcherart Trainingsmethoden wie den „social walk“ befürworte.

Bevor ich meine Meinung dazu kundtat, reizte es mich jedoch – zugegeben zum wiederholten Male –, mich über diese vollkommen unnötigen Anglizismen, oder besser gesagt Scheinanglizismen, zu echauffieren, denn die Mehrheit der deutschen Muttersprachler sind nachweislich der englischen Sprache eher schlecht als recht mächtig. Was vor über zehn Jahren der Sprachwissenschaftler Dr. Rudolf-Josef Fischer in einer repräsentativen Umfrage beeindruckend bestätigt hat. Es gaben zwar viele der Befragten an, englisch zu sprechen; aber als er dies durch einen Test überprüfte, war die Ernüchterung sehr groß.

Und da stellt sich mir eben immer die Frage, warum bewirbt man – vor diesem ernüchternden Hintergrund – als deutschsprachige Hundeschule seine Dienstleistung, die man ausschließlich im deutschsprachigen Raum anbietet und sich mit ihr sicherlich vorwiegend an eine deutschsprachige Kundschaft wendet, in englischer Sprache? Zumal die Botschaft, die man mit einem solch kurzen und markanten Motto aussenden möchte, möglichst nicht missverstanden werden sollte, um ihre Wirkung nicht zu verfehlen. Aber diese Gefahr besteht im hiesigen Kontext durchaus. Denn wenn man mit seinem Hund von einer Hundeschule zu einem „social walk“ eingeladen wird, könnte man annehmen, es handle sich um einen „geselligen Spaziergang“. Schaut man sich allerdings die Beschreibungen dessen an, was einen erwartet und zu welchem Zweck das gemeinsame Schlendern mit Hund und Gleichgesinnten erfolgen soll, wird man eines Besseren belehrt. Allerdings hätte man dann eher solch ein Vokabular wie „socialize“ oder socialized“ in der Ankündigung erwarten können.

Oder verbirgt sich dahinter doch eher die Absicht, kritische Fragen hinsichtlich der fachlichen Sinnhaftigkeit solchen Tuns zu umgehen und dem Ganzen schon mal die Aura eines Axioms zu verleihen; also als etwas erscheinen zu lassen, was beweislos als fachlich richtig vorausgesetzt werden kann und nicht mehr bewiesen werden muss?   

Nach dem Motto, wenn du Skepsis oder kritische Fragen umgehen möchtest, verpasse dem, was du machst, einfach ein kerniges und nach Kompetenz klingendes Synonym, so dass der Laie ob einer solch suggerierten wissenschaftlichen Fundiertheit deines Tuns ehrfurchtsvoll in eine Art Demut und Vertrauensseligkeit verfällt, statt kritisch zu hinterfragen, ob das alles überhaupt Sinn macht.  

Aber sei’s wie es sei; kommen wir lieber zur fachlichen Analyse.

Wenn man in einer Suchmaschine die drei Begrifflichkeiten social walk und hunde hintereinander eintippt, erzielt man bis zu 3.110.000 Treffer!! Und wenn man sich die Quellen anschaut, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass jede Hundeschule oder jede*r Hundetrainer*in, die etwas auf sich halten, ein solches Wunderwerk des Hundetrainings anzubieten scheinen.

Was verbirgt sich nun aber dahinter; ich zitiere:

Ziel der Social Walks ist, das Sozialverhalten des Hundes zu verbessern und zu stabilisieren, sowie Aufregung bei Begegnungen mit fremden Hunden und Menschen zu minimieren.

Oder an anderer Stelle (Ich habe mir allerdings erlaubt, die grammatikalischen Fehler zu korrigieren):

Unser gemeinsames Ziel! Stressfreie Spaziergänge, ohne dass dein Hund ausflippt, wenn ein anderer Hund sichtbar ist. Wir üben dies mit anderen Leidensgenossen.

Ich denke, es ist somit unstrittig, dass es sich bei der angebotenen Dienstleistung um eine beabsichtigte Erziehung des Hundes und nicht um seine Ausbildung handeln soll, denn die Intension besteht erklärtermaßen in der Einflussnahme auf das Sozialverhalten. Und damit kann es sich nur um eine Erziehung handeln und nicht um eine Ausbildung, bei der in erster Linie Fähigkeiten und Fertigkeiten wie Sitz, Platz oder Purzelbäume geübt werden.

Allerdings widerspricht dem ein Passus, der da lautet:

„Da Übung den Meister macht, kann ich leider nicht voraussehen, wie viele Trainingseinheiten wir brauchen.“

Abgesehen von dem Zaunpfahl, mit dem hier gewunken wird, der zahlende Kunde möge sich schon mal gedanklich darauf einstellen, mehrmals mit seinem Delinquenten erscheinen zu müssen, ist dies eher ein Indiz dafür, dass das vorgegebene Erziehungsziel mit den jedoch ungeeigneten Methoden der Ausbildung erreicht werden soll. Denn wenn von Übung und Wiederholung die Rede ist, liegt eine solche Vermutung sehr nahe, da eine Erziehung im Sinne der Sozialisierung in der Regel (bei guter Compliance der Hundehalter*innen) selten eine Wiederholung benötigt.

Aber warum ist meine Skepsis bezüglich einer möglichen Sozialisierung eines nicht erzogenen Hundes während eines gemeinsamen Hundespaziergangs groß? Die Erklärung ergibt sich aus der Beantwortung dreier Fragen:

  1. Worin ist das soziale Verhalten eines Hundes – im hiesigen Kontext ist sein agonistisches Verhalten gemeint – gegenüber seinen Artgenossen oder ihm fremder Menschen begründet, auf das im Rahmen der Erziehung Einfluss genommen werden soll?
  2. Worin muss demzufolge das Ziel einer Erziehung bestehen, um nachhaltig das daraus resultierende soziale Verhalten zu verändern und
  3. Welches Mittel steht dafür zur Verfügung?

Zu 1.: Das agonistische Verhalten eines Hundes, das sich in Aggressionen oder sonstigen störenden Verhaltensweisen bei Begegnungen mit seinesgleichen oder fremden Menschen offenbart, ist ausschließlich in der ihm überlassenen oder übertragenen Verantwortung begründet (eine Ausnahme können pathologisch begründete Fälle bilden). Er fühlt sich quasi zuständig nicht nur für seine eigene Sicherheit, sondern ebenso für die seiner ihm anvertrauten Personen oder Ressourcen. Daraus resultiert, dass er in Fremden zunächst einmal grundsätzlich Rivalen, Konkurrenten oder potentielle Gefahren vermutet, deren Absichten es abzuklären und sie gegebenenfalls zu verjagen gilt.

Zu 2.: Will man im Rahmen einer Erziehung den Hund nachhaltig von diesem Verhalten „befreien“, muss man ihm den Grund für sein unerwünschtes soziales Verhalten nehmen. Das heißt, man muss ihn von seiner Verantwortung „befreien“.

Zu 3.: Das Mittel, das dafür zur Verfügung steht, bietet nur die Erziehung, jedoch nicht die Ausbildung, die lediglich Fähigkeiten und Fertigkeiten trainiert. Nur die Erziehung verfügt über das Mittel, dem Hund diese Verantwortung zu nehmen. Und dieses Mittel ist die Demonstration und ggf. die Korrektur. Das heißt, die Bezugsperson muss dem Hund deutlich machen, dass ab sofort sie statt seiner für Sicherheit sorgt und es nicht mehr erwünscht ist, dass er dieser Verantwortung nachkommt.

Jedoch alles, was ich über die Abläufe bei den „sacial walks“ in Erfahrung bringen konnte oder sogar selbst beobachtet habe bzw. mir von Kunden berichtet wurde, hat in keiner Weise etwas mit dem von mir genannten Mittel der Erziehung zu tun. Im Gegenteil, es handelt sich ausschließlich um solche der Konditionierung, offensichtlich mit dem Ziel der Gewöhnung. Die Hunde sollen quasi durch Erfahrung lernen, dass offenbar von ihren Rivalen keine Gefahr auszugehen scheint. Unterstützt wird dies einerseits durch Ablenkung und andererseits durch Unterbindung einer direkten Kontaktaufnahme der Hunde untereinander. Ich bezweifle deshalb, dass den Trainer*innen der wahrhaftige und von mir oben genannte Grund des agonistischen Verhaltens überhaupt tatsächlich bewusst ist. Denn dann müsste ihnen auch bewusst sein, dass es unmöglich ist, mittels der Konditionierung einem Hund den Grund für sein Verhalten zu nehmen.

Abgesehen davon, dass es in Fällen, bei denen das in der ihnen überlassenen Verantwortung begründete agonistische Verhalten besonders stark ausgeprägt ist und es zu erheblichen Aggressionen kommt, ohnehin nicht funktioniert, sie von ihrem unerwünschten Verhalten zu befreien, kann es bei relativ harmlosen Fällen jedoch durchaus zu einem Scheinerfolg kommen. Daraus ergibt sich allerdings auch eine Gefahr. Denn bei einer ausreichend langen aneinander Gewöhnung der Hunde – woraus sich übrigens auch die relativ lange Dauer einer solchen Scheinerziehung ergibt – lernen die Hunde lediglich, dass von diesen konkreten Spezies ihrer Gattung und der sie begleitenden Personen momentan keine Gefahr auszugehen scheint. Das betrifft dann aber noch lange nicht alle anderen Hunde oder Menschen, denen sie später irgendwann einmal begegnen werden. Und selbst bezüglich ihrer jetzigen „Sparringspartner“ ist es noch lange nicht gesagt, dass dieses ihnen momentan entgegengebrachte Vertrauen auch für die Zukunft gilt. Diese Beobachtung hat man schon bei Wölfen machen können, die sogar vertraute Mitglieder ihres eigenen Rudels jedes Mal aufs Neue nach ihrer Rückkehr von einem Jagdausflug einer Kontrolle unterziehen, ob ihre friedlichen Absichten auch aktuell noch gelten.

Kurzum, im besten Falle führt eine Methode der Konditionierung, wie sie der „social walk“ offensichtlich eine ist, zu einer temporären Gewöhnung der Hunde aneinander, so dass sie nach mehr oder weniger langen Lernphasen glauben, es bestünde keine Gefahr mehr. Aber auf gar keinen Fall ist den Hunden im Ergebnis eines solchen „geselligen Spaziergangs“ die Verantwortung genommen und die sie deshalb latent immer noch besitzen. Sie wandeln von nun an quasi als kleine Zeitbomben durch die Gegend und wiegen Frauchen oder Herrchen in einer Scheinsicherheit.

Soweit meine harmlose Kritik. Etwas schärfer fällt sie allerdings aus, wenn wir uns das Ganze einmal aus Sicht des Hundes anschauen. Für ihn stellt sich die Situation nämlich völlig anders dar – insbesondere anders, als es die Hundetrainer*innen, die diesen Unsinn anbieten, scheinen zu sehen. Da der Hund sich in der Verantwortung sieht, für Sicherheit zu sorgen, ist sein ganzes Streben darauf gerichtet, zunächst die Absichten der anderen abzuklären und gegebenenfalls zu verjagen. Also versucht er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln, sie auf Distanz zu halten oder Kontakt zu ihnen aufzunehmen, was der Laie zumindest am Kläffen und Zerren an der Leine erkennen kann. Spätestens zu diesem Zeitpunkt beginnt seine psychische Belastungsphase, die sehr deutlich an seinem im Urin nachweisbaren ansteigenden Cortisolspiegel erkennbar ist. Solange der Hund jetzt noch das Gefühl hat, Herr der Lage zu sein, bleibt es bei diesem noch relativ harmlosen psychischen Belastungszustand. Allerdings gerät er durch den dann folgenden Aktionismus seiner Bezugsperson, die ihn an der Wahrnehmung seiner Verantwortung hindert (u.a. auf Anweisung der Hundetrainer*innen), in einen zunehmenden Konflikt. Denn er wird nicht nur an der Wahrnehmung seiner Verantwortung gehindert, sondern erfährt u.U. sogar Sanktionen. Das heißt, er wird für etwas, wofür er eigentlich eine anerkennende Geste erwartet – denn er macht nur seinen Job – reglementiert oder sogar bestraft. Dadurch stellt sich die Situation dem Hund zunehmend als unlösbar dar, was der typische Auslöser von Stress ist. In diesen mentalen Zustand gerät ein Säuger, wenn er das Gefühl hat, keinen Einfluss mehr auf die Situation zu haben und sich dieser hilflos ausgeliefert sieht. Die Folgen sind entweder das Ausweichen in ein Meideverhalten, um der unangenehmen Situation aus dem Wege zu gehen – was der Laie als Gewöhnung und der ahnungslose Hundetrainer als Trainingserfolg fehlinterpretiert –, oder die Manifestation seines Aggressionspotentials. In jedem Fall aber ist es eine unbedingt zu vermeidende Entwicklung, denn sie untergräbt nachhaltig das Vertrauensverhältnis zwischen Bezugsperson und Hund.

Ergo, empfehle ich dringend, von solchen stümperhaften Versuchen, den Hund von seinem unerwünschten Verhalten abzubringen, Abstand zu nehmen und ihn vor allem vor diesem Stress zu bewahren und ihm lieber eine vernünftige Erziehung angedeihen zu lassen. Denn Letztere entbindet ihn sogar von jeglichem Stress, da ihm die Verantwortung genommen wird.

Aber eine abschließende ironische Bemerkung kann ich mir nicht ersparen. In einem Fall beschreibt die Hundetrainerin die Zielstellung ihres „social walks“ mit den Worten: „Wir üben so lange, bis ihr Hund andere Hunde freundlich anschaut“. Hut ab; mir ist es bisher in meiner langjährigen Praxis noch nicht gelungen, mir die Fähigkeiten anzueignen, im Gesicht eines Rottweilers, Schäferhundes oder gar eines Pitbulls ablesen zu können, ab wann er seinesgleichen freundlich anschaut. Wahrscheinlich fehlen mir die Erfahrungen „geselliger Spaziergänge“!

94. Will der Hund wirklich unser Boss sein?

oder

Warum sich ein Wolf nicht erziehen lässt

Wieder einmal bat mich ein Kunde um meine Meinung zur Sinnhaftigkeit mehrerer Beiträge in den Medien, in denen Hundetrainer Erziehungs-Ratschläge für verhaltensauffällige oder aggressive Hunde geben. In diesem Fall ging es darum, was zu tun sei, wenn der Hund der Boss sein wolle und sein daraus resultierendes Verhalten störe.

Ich will mich an dieser Stelle jedoch gar nicht direkt zu den Ratschlägen äußern, die dort als vermeintliche Lösung angeboten werden, sondern die Formulierung aufgreifen „Wenn der Hund unser Boss sein will“ und versuchen, deren irreführende Botschaft zu analysieren und damit indirekt zumindest einen Teil der Ratschläge ad absurdum führen. In einer solchen Botschaft ist nämlich auch begründet, warum so viele Versuche, einen unerzogenen Hund erziehen zu wollen, scheitern bzw. sogar scheitern müssen.

Immer mal wieder höre ich davon oder werde wie in diesem Fall von Kund*innen darauf hingewiesen, dass vermeintlich kompetente Hundetrainer argumentieren, aggressives Verhalten eines Hundes sei darin begründet, dass er danach strebe, „der Chef sein zu wollen“ und sich deshalb wie ein Leinenrambo aufführe. Im gleichen Kontext stehen solche Weisheiten wie „der Hund sei dominant“ oder „er wolle der Rudelführer sein“.

Noch irrwitziger wird es, wenn behauptet wird, der Hund komme mit einer angeborenen Rudelstellung auf die Welt; und wenn diese zufällig die des Rudelführers sei und er sie aber nicht innehaben dürfe, weil der Mensch sie ihm streitig mache, käme es zu Verhaltensauffälligkeiten. Auf diesen Unsinn gehe ich hier allerdings nicht ein, weil zu dessen Widerlegung allein schon die einfache Schulbildung ausreicht, wenn man im Biologieunterricht wenigsten etwas von den Mendelschen Regeln gehört haben sollte.

All diese „Weisheiten“ lassen unkritische Zeitgenossen jedoch vermuten, der domestizierte Haushund sei immer noch ein Rudeltier oder sein Dispositionsgefüge (seine Veranlagungen, Instinkte und Bedürfnisse) habe immer noch Ähnlichkeit mit dem seines Stammvaters, dem Wolf. Und daraus schließen dann nicht nur Laien, sondern leider eben auch vermeintliche Fachleute, dass der domestizierte Haushund noch ähnliche durch Instinkte gelenkte Verhaltensweisen wie der Wolf an den Tag lege. Jedes Kind kennt schließlich die vielen Geschichten über ein wölfisches Rudelleben und das darin angeblich ablaufende Gerangel um die Rangordnung. Woraus dann die oben zitierten „Weisheiten“ resultieren.

Abgesehen davon, dass die Bildung einer Rangordnung in einem Rudel bei weitem nicht so „rüpelhaft“ abläuft wie suggeriert wird und die Unterwürfigkeit der Rangniederen sich meistens aus einer reinen Freiwilligkeit ergibt; ein domestizierter Haushund, so wie wir ihn heute vorwiegend in der westlichen Zivilisation zu Hause halten, hat damit jedenfalls nichts mehr zu tun.  

Man darf nämlich nicht vergessen, dass die Wege beider Spezies sich vor über dreißigtausend Jahren getrennt haben und die Evolution seitdem nicht geschlafen hat. Der Hund hat eine beispiellose Erfolgsstory geschrieben, die seinesgleichen sucht. Er hat wie keine andere Spezies derart erfolgreich eine Nische im Überlebenskampf gefunden, die ihn heute zum am besten angepassten Haustier des Menschen gemacht hat und seine zahlenmäßige Verbreitung den Wolf vor Neid erblassen lässt.

Allerdings zu einem hohen Preis, wenn man diesen an den Veränderungen in seinem Dispositionsgefüge bemisst. Studien haben belegt, dass ihm beispielsweise die Instinkte zur Bildung der typischen Strukturen eines Rudels, das unter anderem dadurch gekennzeichnet ist, dass die Mitglieder nicht beliebig austauschbar sind und bestimmte Rangordnungen gebildet werden, quasi abhandengekommen sind. Und zwar aus einem einfachen Grund: Er benötigt diese Fähigkeiten nicht mehr, weil er die Vorteile eines Rudellebens für sein Überleben nicht mehr benötigt. Er kann zwar immer noch in Gruppen zusammenleben, so er dazu gezwungen wird; aber einen Vorteil zieht er daraus nicht mehr. Im Gegenteil, andere Hunde stören ihn eher, als dass er deren Nähe sucht, außer während der Läufigkeit zur Weitergabe seiner Gene. Aber ein domestizierter Haushund würde, so er die Wahl hätte, sich immer gegen die Gemeinschaft mit seinesgleichen zugunsten einer monogamen Beziehung zu einem Menschen entscheiden. Denn nur das ist Garant seines Überlebens und Wohlbefindens.

Nun könnte man ja fragen, was soll’s, oder was ist dabei, wenn man unterstellt, der Hund wolle der Boss sein?

Die Antwort lautet: Dann ist die Erziehung eines Hundes, dessen störendes Verhalten angeblich in seinem Machogebaren begründet ist, quasi unmöglich!

Denn die Erziehung des Hundes, im Gegensatz zu seiner Ausbildung, muss immer auf eine Beeinflussung der in seinem Dispositionsgefüge begründeten Verhaltensweisen abzielen, denn nur dadurch führt sie zur Einsicht, was das wesentliche Merkmal einer Erziehung ist. Der Hund muss quasi anschließend aus ureigenem Interesse sich so verhalten wie er sich verhalten soll. Ansonsten wäre es keine Erziehung, sondern lediglich eine Konditionierung, so wie bei der Ausbildung. Und wenn das Dispositionsgefüge, welches immer der Auslöser des unerwünschten Verhaltens ist, irrtümlicherweise mit dem eines Wolfes verglichen wird – und das wird es, wenn unterstellt wird, der Hund wolle der Boss oder Rudelführer sein –, wird im Rahmen seiner Erziehung versucht, auf etwas Einfluss zu nehmen, was es gar nicht gibt.

Ein Hund hat es quasi im Rahmen seiner Domestikation „verlernt“, der Boss sein zu wollen oder gar der „Rudelführer“, weil gerade seine nahezu bedingungslose Unterordnung unter den Menschen ihm seinen Überlebensvorteil garantierte. Hätte er versucht, seiner menschlichen Bezugsperson wenigstens ebenbürtig sein zu wollen, geschweige denn, ihn zu dominieren, hätte der Mensch ihn zum Teufel gejagt. Das entscheidende Wesensmerkmal, welches den domestizierten Haushund deshalb von seinem Urvater unterscheidet, ist nämlich seine Unterwerfung unter den Willen und die Interessen seiner menschlichen Bezugsperson. Nur dadurch weiß er seine Grundbedürfnisse, zumindest das nach Stoffwechsel, zuverlässig befriedigt zu bekommen.

Ein Wolf hingegen, würde sich niemals „aus Überzeugung“, weil er daraus vermeintlich einen Vorteil generieren könnte, dem Menschen unterordnen. Er tut sich sogar schwer damit – selbst, wenn er schon längere Zeit in Gegenwart des Menschen lebt – bei Problemlösungen dessen Hilfe einzufordern. Er klärt stattdessen alle Probleme entweder allein oder mit Unterstützung seines Rudels. Ein Hund hingegen wird dafür immer die Hilfe des Menschen in Anspruch nehmen.

Hinzu kommt, dass die Erziehung – ebenfalls im Gegensatz zur Ausbildung – immer darauf abzielt, dem Hund den Grund für sein unerwünschtes Verhalten zu nehmen. Weil nur dadurch ihre Nachhaltigkeit gewährleistet wird. Das ist auch der Grund, warum man einen Hund niemals mit Hilfe eines Leckerlis erziehen kann. Denn durch ein Leckerli kann man keinen Verhaltensgrund aus der Welt schaffen, sondern lediglich ein temporär wirkendes Ablenkungsmanöver fahren.   

Bleibt noch die Frage nach dem Grund, warum selbst Hundetrainer glauben, der Hund wolle der Boss sein.

Die Antwort liefert das Nichterkennen des tatsächlichen Grundes, warum ein Hund sich aggressiv verhält oder an der Leine zerrt, hinter Joggern hinterherjagt oder wie von Sinnen kläfft. All die störenden Verhaltensweisen sind weder in seinem Machogebaren begründet, noch in seinem Charakter oder sonstigen negativen Veranlagungen, sondern lediglich in der ihm überlassenen oder übertragenen Verantwortung für seine und die Sicherheit der ihm anvertrauten Personen oder Ressourcen.

Im Verlaufe seiner Domestikation wurden dem Hund vorwiegend drei Aufgaben übertragen: Entweder er sollte bei der Jagd helfen oder unsere Tiere auf der Weide hüten oder er sollte uns und unser Hab und Gut beschützen. Daraus resultiert ein Wesensmerkmal in seinem Dispositionsgefüge, das ihn grundsätzlich dazu motiviert, ständig für seine und unsere Sicherheit sorgen zu wollen. Und das Ganze sogar, ohne dass wir ihm diese Verantwortung ausdrücklich übertragen. Das heißt, wenn wir ihm diese Verantwortung nicht ausdrücklich abnehmen, sorgt er von sich aus für Sicherheit. Dazu checkt er ununterbrochen die Umgebung nach Gefahren ab, versucht, jede potentielle Bedrohung auf Distanz zu halten oder greift sie sogar an.

Somit ist die Erziehung eines Hundes – und damit die Beseitigung seines unerwünschten Verhaltens – nichts anderes, als seine Entbindung von der Verantwortung. Dazu ist es lediglich notwendig, ihm zu demonstrieren, dass Herrchen oder Frauchen ab sofort und ständig für ihre gemeinsame Sicherheit sorgen. Anschließend wird man feststellen, dass Bello und Co. noch nicht einmal mehr Interesse an ihresgleichen haben, weil sie deren Absichten nicht mehr gezwungen sind zu eruieren, geschweige denn, irgendeine Gefahr verjagen zu müssen. Der Hund wird ab sofort völlig entspannt an des Menschen Seite dahinschlendern im Vertrauen, Frauchen oder Herrchen sind der Boss und sorgen für Sicherheit.

Gleiches würde bei einem Wolf allerdings nicht funktionieren. Er würde sich niemals die Verantwortung für seine Sicherheit nehmen lassen, denn das würde aus seiner Lebenserfahrung den sicheren Tod bedeuten. Deshalb ist es auch sehr schwer bis unmöglich, so genannte Wolfshunde erziehen zu wollen, selbst wenn mehrere Generationen zwischen der Kreuzung liegen. Selbst wenn sie sich anschließend scheinbar dem Schutz des Menschen anvertrauen; es wird immer ein latent vorhandenes Restrisiko des Zurückfallens in alte und durch das Dispositionsgefüge begründete Verhaltensmuster, das auf die eigenverantwortliche Abwehr potentieller Gefahren abzielt, bleiben.

93. Der Unsinn Antigiftködertraining & Co.

oder

Was sind Redundanzen und Zielkonflikte in der Hundeerziehung?

Angebote wie Antijagdtraining, Antigiftködertraining, Trainings gegen Hund springt Besucher an oder … zieht an der Leine, Hund bellt am Zaun oder Hund bleibt nicht allein, Trainings zur Impulskontrolle bis hin zu Angeboten, die sich da nennen Futterspiele, Beutespiele, Schnüffelspiele etc. pp. – macht das alles Sinn?

Immer wieder bekomme ich Anfragen von Hundehalter(innen) zur Zweckmäßigkeit solcher Angebote, die ihnen von Hundeschulen oder Hundetrainern unterbreitet werden oder von denen sie gelesen haben.

Ich könnte es mir einfach machen und auf solche Fragen pauschal mit einem „Nein“ antworten. Aber einerseits sind dafür die sich hinter den einzelnen Trainings verbergenden Probleme zu different und bedürfen einer Begründung. Andererseits – und das ist viel bedeutsamer – verbergen sich hinter den Trainings zumindest in einigen Fällen sogar absurde Zielkonflikte.

Ein Teil dieser genannten Trainings – insbesondere die erstgenannten –, wenn sie als Einzelmaßnahmen angeboten werden, sind redundant und damit schlicht und ergreifend überflüssig, denn sie machen als solche einfach keinen Sinn. Will meinen, da die Ursache für die unterstellten unerwünschten Verhaltensweisen – deren Beseitigung das Ziel solcher Trainings sein sollte – für alle identisch ist und deshalb mit einem einzigen Training aus der Welt geschafft werden kann, ist hier die Absicherung durch Redundanz unnötig.

Redundanz macht in der Hundeerziehung im Gegensatz zur Ausbildung ohnehin keinen Sinn. Mir fallen in dem Zusammenhang immer die Beschreibungen zur Rolle der Redundanz als unverzichtbares Element zur Gewährleistung der Sicherheit von Hochrisikosystemen ein wie beispielsweise in der Luftfahrt. Um ein Flugzeug und seinen Betrieb sicher zu machen und im Falle von unvermeidbaren Ausfällen die möglichen Folgen zumindest zu minimieren, werden alle für die zuverlässige Funktion zuständigen Systeme und Prozesse immer mindestens einmal oder sogar mehrmals redundant installiert oder ausgeführt. Das heißt, bei Ausfall eines Systems steht immer noch mindestens ein zweites und gleiches System für den sicheren Betrieb zur Verfügung, obwohl es für den Normalbetrieb gar nicht notwendig ist. Und der Grad der Redundanz ist abhängig von der Wahrscheinlichkeit eines Systemausfalls und seiner Folgen. Je wahrscheinlicher und je folgenschwerer ein Ausfall ist, desto höher die Redundanz.

Aber ich denke, solche Szenarien sind in der Hundeerziehung eher fehl am Platz, auch wenn, etwas spaßig gemeint, so manche Hunde durchaus als Hochrisikosysteme eingestuft werden könnten. Aber das ist hier nicht gemeint. Deshalb genügt es in unserem Kontext, einen Hund im Rahmen einer einzigen Erziehung zum Zwecke der Beseitigung seiner unerwünschten Verhaltensweisen, die alle in einer einzigen Ursache begründet sind, aus der Welt zu schaffen.

Also macht es schlichtweg wenig oder vielmehr gar keinen Sinn, zur Beseitigung ein und derselben Ursache verschiedene oder mehrere Trainings redundant anzubieten. Außer natürlich – und das könnte eine Begründung sein, warum man es trotzdem macht – man hat diese eine Ursache überhaupt nicht als solche erkannt und doktert stattdessen mittels unterschiedlichster Methoden nur an den unterschiedlichen Symptomen herum.

Zu solchen unerwünschten Verhaltensweisen, die alle nur eine einzige Ursache haben und die in einem einzigen Training beseitigt werden kann, zählen das Zerren an der Leine, das ständige Bellen oder Verbellen, das Jagen, das Nicht-allein-sein-Wollen, aggressives Verhalten in allen Varianten einschließlich Leinenaggressionen bis hin zum unerwünschten Suchen und Verspeisen von Giftködern usw., usw.

Dieser eine Grund für die aufgezählten unerwünschten Verhaltensweisen findet sich in der dem Hund überlassenen Verantwortung verbunden mit einem ihm zugestandenen zu großen Entscheidungsspielraum.

Mit anderen Worten: Der Hund bräuchte nur erzogen werden und schon wäre der Grund für alle genannten Verhaltensweisen verschwunden, denn die Erziehung ist mit seiner Entbindung von der Verantwortung und der Einschränkung seines Entscheidungsspielraums identisch. Und das ist in einem einzigen Training möglich. Im Ergebnis dessen wird er beispielsweise auch sofort das Suchen von Ködern unterlassen und zumindest beim Auffinden vor dem Verspeisen um Erlaubnis ersuchen, denn sein (nicht vorhandener) Entscheidungsspielraum lässt eine andere Verhaltensweise quasi gar nicht mehr zu.

Nun will ich den Anbietern solcher redundanten Trainingsmethoden auf gar keinen Fall Böswilligkeit in Form einer Abzocke der ahnungslosen Hundehalter unterstellen, indem sie ihnen quasi eine ganze Serie von angeblich notwendigen Hundetrainings unterjubeln, obwohl nur ein einziges Erziehungstraining notwendig wäre. Sondern ich vermute eher, dass die Ideen zu solchen separat angebotenen Trainings wieder einmal im Nichtbeachten des Unterschieds zwischen Ausbildung und Erziehung begründet ist. Denn in der Ausbildung ist Redundanz durchaus angebracht. Wenn dem Hund beispielsweise Sitz, Platz & Co. oder irgendwelche Tricks und Kunststücke beigebracht werden sollen, macht es durchaus Sinn, ihm deren zuverlässiges und sicheres Beherrschen auf mehreren und unterschiedlichen Wegen beizubringen.

Aber wir reden hier nicht von der Ausbildung des Hundes, wenn es um die oben genannten unerwünschten Verhaltensweisen geht. Sie sind vielmehr begründet in einer nicht erfolgten Erziehung. Und für eine Erziehung ist in der Regel eine Redundanz unnötig.

Zum anderen aber gibt es bei einigen der genannten Trainings sogar einen Zielkonflikt durch konkurrierende Ziele, wodurch es durchaus zu paradoxen oder absurden Situationen kommt:

So ist es beispielsweise widersinnig, wenn man zunächst mit dem Hund so genannte

Beutespiele, Futterspiele oder Schnüffelspiele zelebriert, aus welchem unsinnigen Grund auch immer, bei denen man quasi die hündischen Fähigkeiten nicht nur zum Jagen, sondern auch zum Aufklären des Reviers trainiert, und sich anschließend aber darüber „wundert“, wenn er beim Stöbern in Mutters Natur plötzlich Meister Lampe oder den Rehen hinterherjagt oder gar Giftköder mit einem ausgeprägten Enthusiasmus sucht und frisst. Und dann kommt man auf die tolle Idee, dem naiven Hundehalter ein Antijagdtraining oder ein Antigiftködertraining unterzujubeln, bei dem diese Konditionierungen wieder rückgängig gemacht werden sollen. Das ist das Gleiche, als wenn ein Unfallchirurg seiner potentiellen Klientel beibringen würde, angstfrei so oft es geht, von hohen Bäumen zu springen.

Meistens werden solche unerwünschten Konditionierungen sogar ungewollt manifestiert. Nämlich immer dann, wenn Leckerlis als Ablenkung von einem unerwünschten Verhalten ins Spiel kommen. Beispielsweise hat mir eine Kundin berichtet, dass ihr allen Ernstes beim Besuch einer Hundeschule ein Training zur Impulskontrolle zum Zwecke der Unterbindung des Jagens geraten wurde, ihren Hund in kritischen Situationen durch eine mit Leckerlis gefüllte Federtasche abzulenken, nach der sie den Hund dann suchen lassen solle. Sie wunderte sich anschließend darüber, dass ihr Liebling von da an um so aktiver das Revier nach Beute erschnüffelte.

Auch deshalb kann ich immer wieder nur von der Anwendung von Leckerlis in der Hundeerziehung abraten. In der Ausbildung bzw. Dressur kann man meinetwegen das Tier mit Leckerlis zur Freude der Leckerliindustrie und des Tierarztes vollstopfen; aber in der Erziehung haben sie nichts verloren.

91. Warum nehmen Hunde-Beißattacken zu?

oder

Liegt das vielleicht an den „modernen“ Erziehungsmethoden?

Laut des Onlinedienstes nordbayern.de habe die Zahl der vom Bayerischen Innenministerium erfassten Hunde-Angriffe deutlich zugenommen. Demnach seien vor neun Jahren 447 Menschen gebissen worden und 23 weitere das Opfer einer Kampfhund-Attacke geworden. 2018 wären es 659 Angriffe von Hunden gängiger Rassen und 45 durch so genannte Kampfhunde gewesen.

Abgesehen davon, dass aus diesen Zahlen hervorgeht, dass die so genannten Kampfhunde bzw. Listenhunde offensichtlich gar nicht das eigentliche Problem zu sein scheinen, wie immer wieder geunkt wurde, ergeben sich daraus u.a. zwei interessante Fragen: Zum einen die nach dem Warum für die steigenden Zahlen, die nicht nur in Bayern oder NRW zu verzeichnen sind und zum anderen, ob zu erwarten ist, dass die Beißattacken auch weiterhin zunehmen werden?

Die letzte Frage ist relativ schnell beantwortet: Ja, weil die Ursachen nicht beseitigt werden, wie meine Antwort auf die erste Frage zeigen wird.

Auch wenn es eine einfache Antwort auf die erste Frage nicht geben kann, denn das Problem ist komplex, und ein solches ist schon laut Definition durch eine Vielzahl an Einflussgrößen, deren Vernetztheit untereinander und ihre Intransparenz, Eigendynamik und Polytelie (unterschiedliche Zielstellungen, die mit ihren Veränderungen beabsichtigt werden) gekennzeichnet, lässt meine Antwort trotzdem den Schluss zu, dass in Zukunft die Beißattacken, oder generell die Übergriffe von Hunden auf Menschen und Tiere, zunehmen werden.

Dass es ein komplexes Problem ist, wird schon an den Erklärungsversuchen deutlich. Beispielsweise wird seitens mancher Fachleute als Begründung gerne angeführt, dass sich allein schon aus der stetigen Zunahme der Anzahl von Hunden rein rechnerisch eine Zunahme an Beißattacken ergebe; was statistisch betrachtet nicht ganz falsch ist aber als nennenswerter Grund nicht wirklich taugt. Ebenso die Erklärungsversuche durch die Vorsitzende des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH) in Bayern, wonach immer mehr Hunde aus Osteuropa mit einer fragwürdigen Welpen-Prägungsphase in unser Land kämen, oder immer mehr Menschen sich einen Hund kaufen würden, die gar keine Zeit für das Tier hätten. Und auch ihr Ruf nach einem verpflichtenden Hundeführerschein ist nicht falsch, geht aber meiner Erfahrung nach ebenfalls an dem eigentlichen Problem vorbei.

Und dieses Kernproblem offenbart sich in einem ihrer weiteren Erklärungsversuche, wenn sie sagt, Hunde bräuchten neben ausreichender Betreuung und viel Auslauf aber vor allem auch Erziehung und müssten auf die Kommandos “Sitz”, “Platz” und “Fuß” hören. Denn hierin offenbart sich das eigentliche Dilemma:

Zwar nennt sie richtigerweise die fehlende Erziehung der Hunde als einen Grund, aber fehlinterpretiert nicht nur ihre zentrale Bedeutung durch das Wörtchen „auch“, sondern definiert sie obendrein auch noch völlig falsch.

Die fehlende Erziehung nur als eines von vielen Ursachen zu beschreiben, selbst wenn sie es mit der Floskel „vor allem“ einleitet, ist schon sehr fragwürdig, denn ich wage zu behaupten, dass fast alle Beißattacken in der ausgebliebenen Erziehung dieser Hunde begründet ist. Deshalb hätte dieser Grund als allererstes und wichtigstes genannt werden müssen. Denn das Beißen zählt zum natürlichen agonistischen Verhaltensrepertoire fast aller Hunderassen, welches sie auch nutzen, so ihnen zuvor der dafür notwendige Entscheidungsspielraum im Rahmen einer Erziehung nicht genommen oder eingeschränkt wurde. Und wenn ein Hund sein agonistischen Verhaltensrepertoire nutzen darf, ist ihm dieser Entscheidungsspielraum definitiv nicht eingeschränkt worden. Mit anderen Worten: Der Hund wurde schlicht und ergreifend nicht erzogen, denn die Einschränkung des Entscheidungsspielraumes ist neben seiner Entbindung von der Verantwortung das zweite Element seiner Erziehung.

Und zum anderen bestätigt sie mit ihrer Aussage wieder die von mir immer und immer wieder kritisierte Wissenslücke zum Unterschied zwischen Erziehung und Konditionierung. Denn wenn sie das Befolgen von Kommandos wie „Sitz“, „Platz“ & Co. in einem Kontext mit der Erziehung nennt, liegt der Verdacht nahe, dass auch sie diesen Unterschied nicht wirklich realisiert. Sitz, Platz & Co. haben mit der Erziehung des Hundes nämlich nichts zu tun, sondern sind ausschließlich das Ergebnis hündischer Konditionierungen. Und dass mittels einer Konditionierung kein Hund erzogen werden kann, habe ich bereits nicht nur in meinen beiden Büchern ausgiebig begründet, sondern ebenso in einer Vielzahl von Beiträgen an dieser Stelle.

Den Unterschied zwischen Erziehung und Konditionierung habe ich übrigens ausführlich u.a. im letzten Beitrag Nr. 90 beschrieben und will es deshalb hier nicht wiederholen.

In diesem quasi Nichterkennen des Unterschiedes zwischen Konditionierung und Erziehung sehe ich den Hauptgrund, warum so viele Hunde nicht erzogen sind. Denn dadurch glauben viele, ihren Hund erzogen zu haben oder ihn erziehen lassen zu haben, obwohl das, was mit dem Hund gemacht wurde, nichts anderes war, als ihn auszubilden. Denn Konditionierung und Ausbildung sind quasi identisch. Und ein Hund, der zuverlässig „Sitz“, „Platz“ & Co. beherrscht, oder sich tanzend auf einem Bein zum Clown macht, ist zwar gut ausgebildet (konditioniert), aber noch lange nicht erzogen. Denn nach seiner Konditionierung ist ja der Grund für seine Beißattacken nicht verschwunden, was bei seiner erfolgreichen Erziehung jedoch der Fall wäre.

Der Grund, der mich zu der Annahme veranlasst, die Hunde seien alle nicht erzogen, leitet sich aus der Vielzahl von Berichten enttäuschter HundehalterInnen her, die alle mindestens einen erfolglosen Hundeschulbesuch hinter sich haben, bei denen ihre Hunde entsprechend ihres vorgebrachten Wunsches hätten erzogen werden sollen. Wenn ich mir dann jedoch die Methoden beschreiben lasse, mit denen die Erziehungsversuche seitens der Hundetrainer unternommen wurden, dann kann es sich nur um Konditionierungsversuche gehandelt haben.

Und damit sind wir wahrscheinlich beim eigentlichen Problem, was letzten Endes zu der hohen und weiterhin steigenden Anzahl an Beißattacken führt: Die Hunde werden schlicht und ergreifend gar nicht erzogen. Und das nicht etwa, weil es jemand vielleicht vergisst oder nicht will. So eigenartig es sich anhören mag, der Grund dafür liegt in der fachlichen Unkenntnis vieler Hundetrainer(innen), was eine Erziehung des Hundes eigentlich ausmacht. Die so genannten „modernen Erziehungsmethoden“ führen wahrscheinlich dazu, dass viele Hundetrainer im guten Glauben meinen, den Hund zu erziehen oder erzogen zu haben; tatsächlich ihn jedoch nur konditioniert haben.

Und woran das wiederum liegt, werde ich in einem meiner nächsten Beiträge erläutern. Nur soviel vorab: Es hat im weitesten Sinne etwas damit zu tun, was das Fernsehen heute „im harten Dienst der Volksverblödung Tag um Tag unternimmt“ – wie Eberhard Schwanitz es in seinem Werk „Bildung – alles, was man wissen muss“ nennt.

90. WARUM IST EIN HUND AGGRESSIV ODER VERHALTENSAUFFÄLLIG?

oder

Was bewirkten Tausende Jahre Domestikation?

Kürzlich fragte mich eine Kundin – die mich gerufen hatte, um ihren „Leinenaggressor“ zur Räson zu bringen –, warum sich ihr Hund eigentlich so verhalte, wie er sich verhalte. „Warum zerrt er wie von Sinnen an der Leine oder bellt und kläfft jeden an, als wolle er ihn auffressen? Oder warum fixiert und jagt er jeden und alles?“ Kurzum, warum sei ihr Hund so aggressiv?

Dazu mussten wir uns die Wirkung von über 30.000 Jahren Domestikation in Erinnerung rufen. Denn um das Verhalten eines Hundes zu verstehen, muss man deren evolutionsbiologischen Einfluss und die daraus resultierenden Konsequenzen akzeptieren. Im Wesentlichen geht es um das Verständnis und die Akzeptanz zweier Sachverhalte:

Zum einen lebt der Hund seit vielen Tausenden von Jahren mit uns Menschen in einer oftmals monogamen Beziehung. Das hat unter anderem zur Folge, dass er mittlerweile kein Rudeltier mehr ist – zumindest nicht mehr im Sinne der Verhaltensbiologie –, denn ihm sind die Vorteile einer solchen Lebensform quasi abhandengekommen. Darüber darf auch nicht hinwegtäuschen, dass er, wenn die Umstände ihn dazu zwingen, durchaus noch in der Lage ist, in einer Meute seinesgleichen zusammenzuleben. Aber nicht nur die Instinkte zur Bildung der typischen Strukturen eines Rudels, in der zum Beispiel die Mitglieder nicht beliebig austauschbar sind, sind ihm weitestgehend verlorengegangen, sondern auch das Bedürfnis. Stattdessen entdeckte er für sich die ökologische Nische der intensiven Beziehung mit möglichst nur einer einzigen Bezugsperson und schrieb auf dieser Basis seine in der Tierwelt beispiellose Erfolgsstory. Metaphorisch könnte man sogar sagen, dass er, wenn man ihn fragen und er auch antworten könnte, ob er es bevorzugen würde, lieber mit anderen Mitgliedern seiner Spezies zusammen zu sein oder lieber allein mit einem Menschen, sich immer für Letzteres entscheiden würde.

Und eine daraus resultierende Konsequenz ist zum Beispiel, dass solche Ideen wie organisierte Hundetreffen oder Hundeausbildungen in Gruppen mit Sicherheit nicht auf hündischem Mist gewachsen wären. Sie sind eher dem Anthropomorphisieren geschuldet und somit Resultat des Projizierens menschlicher Interessen und Bedürfnisse auf den Hund. Kurzum, der Hund würde es immer bevorzugen, mit uns allein zu sein. Denn er liebt es geradezu, die ungeteilte Aufmerksamkeit seines Menschen zu genießen; weshalb ihn andere Hunde sogar stören.

Zum anderen hatte der Hund während dieses Zusammenlebens mit uns im Wesentlichen nur drei Aufgaben bzw. wurden ihm nur drei Aufgaben übertragen. Entweder er sollte uns bei der Jagd unterstützen, oder er sollte auf der Weide das Vieh hüten oder unser Hab und Gut bewachen. Später kamen zwar noch eine Reihe weiterer spezieller Pflichten hinzu wie das Zerren eines Schlittens quer durch Sibirien oder das um die Wette-Rennen hinter einem Stoffkaninchen und andere Spür-, Such- und Rettungsspezialitäten bis hin zu sehr unappetitlichen Perversitäten, wenn ich an die sogenannten Kampfhunde oder Hunde im Kriegseinsatz denke, bei denen der Mensch sehr geschickt zu seinem eigenen Vorteil nicht nur die hündischen Fähigkeiten und Instinkte ausnutzte, sondern ebenso seinen unbeugsamen Willen, uns gefallen zu wollen. Aber im Grunde genommen hatten die drei erstgenannten Aufgaben den entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung seiner Psyche. Und eines der sich daraus entwickelten Hauptmerkmale ist sein Beschützerinstinkt. Er will nämlich, indem er sein eigenes Grundbedürfnis nach Sicherheit befriedigt, uns Menschen – besser gesagt seine Bezugspersonen und Ressourcen – stets und ständig vor allen potentiellen Gefahren bewahren.  

Unter dem Einfluss dieser beiden Sachverhalte entwickelte sich dann das typische Dispositionsgefüge eines Haushundes, wie es sich heute in den Veranlagungen, Instinkten, Bedürfnissen und dem Charakter vieler Hunderassen offenbart. Zumindest bei all denen, bei denen die oben genannten Veranlagungen zielgerichtet selektiert wurden. Dazu zählt, dass er für sein Überleben nicht nur andere Hunde nicht benötigt, sondern in ihnen sogar grundsätzlich Konkurrenten, Rivalen oder gar potentielle Bedrohungen sieht. Deshalb ist auch sein Interesse, Kontakt zu anderen seinesgleichen aufzunehmen, darauf beschränkt, entweder die eigenen Gene weiterzugeben oder ihre Absichten abklären zu wollen, ob von ihnen eventuell irgendeine Gefahr ausgeht. Insofern ist es sicherlich auch ein Irrtum anzunehmen, es würde seinem Bedürfnis entsprechen, ihn außerhalb der Läufigkeit mit möglichst vielen anderen seiner Spezies zusammentreffen zu lassen. Im Gegenteil, aufgrund seines Beschützerinstinktes möchte er am liebsten alles und jeden von uns und sich fernhalten. Und dazu nutzt er in der Regel sein gesamtes agonistisches Verhaltensrepertoire einschließlich seiner Aggressionen.

Ich habe übrigens diesem Thema des Zusammentreffens von Hunden bei vom Menschen organisierten Veranstaltungen in einem meiner beiden Bücher ein extra Kapitel gewidmet und einmal beschrieben, welches typische Verhalten einschließlich Stressniveau bei den teilnehmenden Hunden beobachtet und registriert werden kann. Das Ganze hat mit Freude oder Glücksgefühlen nicht allzu viel zu tun. Der im Urin dieser Hunde gemessene Cortisolspiegel sollte jeden Hundehalter, der seinen Vierbeiner liebt, dazu veranlassen, jegliche Einladung zu solchen Hundetreffen, die oftmals nur der Bedürfnisbefriedigung der Veranstalter dienen, auszuschlagen. Jedenfalls würde kein Hund außerhalb seiner Läufigkeit jemals auf die Idee kommen, ein Hundetreffen zu organisieren oder gar freiwillig daran teilzunehmen.

Aus diesem Dispositionsgefüge resultiert nun wiederum sein konkretes Verhalten, was dem Laien oftmals als auffällig, störend oder gar unbegründet aggressiv erscheint. Was es objektiv betrachtet aber gar nicht ist. Denn aus hündischer Perspektive ist es nichts anderes, als die Wahrnehmung nicht nur seines legitimen Rechts auf Selbstverteidigung, sondern sogar seiner Pflicht, für unsere gemeinsame Sicherheit zu sorgen. Denn wir haben es seit Tausenden von Jahren so von ihm verlangt. Und die erste Handlung oder Voraussetzung, unsere Sicherheit gewährleisten zu können – wenn mir die Metapher des Militärs einmal gestattet sei – ist die Aufklärung des vor der „Truppe“ befindlichen Geländes. Beim Militär nennt man das Ganze „Truppenaufklärung“. Und das möglichst weit voraus, um rechtzeitig reagieren und potentielle Bedrohungen schon weit vor der nachrückenden „Truppe“ unschädlich machen zu können. Die Begrenzung des Aufklärungsradius geben die technischen Mittel und Möglichkeiten vor. Beim Hund ist es die Länge der Leine. (Deshalb würde ich übrigens auch davon abraten, wie es manchmal in diesem Kontext empfohlen wird, ihm eine Schleppleine anzulegen, um ihm vermeintlich mehr Freiheit zu geben und trotzdem unter Kontrolle zu behalten. Es wäre jedenfalls das falsche Signal, indem ihm nämlich demonstrativ ein noch größeres „Aufklärungsgebiet“ übertragen wird.) Also zerrt er an der ihn eingrenzenden Leine wie von Sinnen, um Bedrohungen schon weit im Voraus identifizieren zu können. Und sollte tatsächlich eine solche am Horizont erscheinen, wird sie nicht mehr aus den Augen gelassen. Falls sie nicht von selbst den Rückzug antritt oder sogar zu nahekommt, wird mit allen Mitteln gedroht und gewarnt und versucht sie zu verjagen. Kommt es trotzdem zu einem direkten Kontakt, wird sie mit allen Sinnen gecheckt und ihre möglichen Absichten aufgeklärt. Und stellt sich heraus, dass von ihr keine Gefahr ausgeht, wird sie in der Regel sofort ignoriert, und jegliches Interesse verblasst von jetzt auf gleich (mit einer Ausnahme: Die Gegnerin ist läufig).

Bleibt die Frage nach der Lösung:

Zunächst einmal müssen jeder Hundehalter und jede Halterin für sich selbst entscheiden, ob dieses natürliche Verhalten ihrer Vierbeiner sie stört und dabei berücksichtigen, ob möglicherweise die Interessen und Rechte anderer beeinträchtigt sein könnten. Falls nicht – beispielsweise, wenn dem Hund bewusst die Sicherheit von Haus und Hof anvertraut und gleichzeitig eine ungewollte Belästigung oder Gefährdung anderer ausgeschlossen wurde – kann eigentlich alles so bleiben wie es ist. Denn das sich aus dieser dem Hund überlassenen Verantwortung ergebende Verhalten ist ein völlig natürliches, weil ursprünglich von ihm erwartetes.

Anders sieht es jedoch aus, wenn dieses Verhalten stört oder die physische und psychische Unversehrtheit anderer Tiere und Personen, insbesondere von Kindern, gefährdet ist. Dann sind Halter oder Halterin zum Handeln verpflichtet. Und das heißt, der Hund muss erzogen werden. Will meinen, ihm muss der Grund für sein jetzt unerwünschtes Verhalten genommen werden.

Und einen Hund zu erziehen, indem man ihm den Grund für sein Verhalten nimmt, heißt, ihm demonstrativ sowohl die Verantwortung für die Sicherheit zu nehmen als auch seinen Entscheidungsspielraum, diese wahrnehmen zu können, drastisch einzuschränken. Dazu müssen Frauchen und Herrchen ab sofort und unter allen Umständen demonstrativ selbst statt seiner für beider Sicherheit sorgen und jegliches unerwünschte Verhalten konsequent unterbinden. Im Ergebnis einer solchen Erziehung versteht der Hund dann, dass er ab sofort für die Sicherheit nicht nur nicht mehr verantwortlich ist, sondern im Gegenteil, es ihm sogar untersagt ist.

Darin unterscheidet sich übrigens auch seine Erziehung wesentlich von seiner Ausbildung. Denn Letztere ist im Gegensatz zur Erziehung dadurch gekennzeichnet, dass dem Hund etwas beigebracht wird, wofür ihm die natürlichen Instinkte fehlen (Sitz, Platz & Co.) Im Ergebnis der Erziehung hingegen soll er etwas unterlassen, was er ansonsten aufgrund des Vorhandenseins von Instinkten tun würde.

Und für viele meiner Kundinnen und Kunden ist es der schönste „Nebeneffekt“ der Erziehung ihres besten Freundes, dass sie ab sofort ein wesentlich entspannteres Leben mit ihm genießen dürfen; denn Konkurrenten, Rivalen oder Bedrohungen existieren für ihn quasi nicht mehr. Und in der Regel kann sogar ganz auf eine Leine verzichtet werden, so örtliche Regularien nicht dagegensprechen. Denn ein Hund, der keine Verantwortung mehr trägt, hat keinerlei Grund und Interesse mehr, sich von seiner alles geliebten Bezugsperson zu entfernen. Für ihn ist es vielmehr das Größte, ihre Nähe und liebevolle Zuwendung zu genießen und mit ihr herumzutollen. Es ist eine Mär, es sei hündisches Bedürfnis und Garant seines Wohlbefindens oder Ausdruck einer ihm zugestandenen Freiheit, im Gelände herumzustöbern und mit seinesgleichen zu kommunizieren. Im Gegenteil, Letzteres ist ausschließlich in seiner ihm überlassenen oder übertragenen Verantwortung begründet und eher Garant für Stress.

Ein von seiner Verantwortung entbundener Hund ist demgegenüber nahezu tiefenentspannt und ausschließlich auf seine Bezugspersonen fokussiert. Denn seine Aufmerksamkeit wird nicht mehr für die Aufklärung des Geländes und dem Erkennen und Abwehren von Bedrohungen in Anspruch genommen, sondern er kann sie von nun an ausschließlich seiner Bezugsperson widmen, deren Schutz und Zuwendung er jetzt in vollen Zügen genießen kann. Der gemessene, oder besser gesagt kaum messbare Cortisolspiegel im Urin solcher Hunde lässt den Schluss zu, dass das Gefühl von Stress weitestgehend abwesend ist. Bei ihnen ist vielmehr das „Kuschelhormon“ Oxytocin anwesend.

Allerdings hat das Ganze nichts mit einer artgerechten oder nicht artgerechten Haltung zu tun, wie möglicherweise angenommen werden könnte. Beide hier beschriebenen Hunde, sowohl der, der die Verantwortung trägt, als auch der, der sie nicht mehr trägt, können artgerecht gehalten sein. Denn wie gesagt, die Verantwortung beispielsweise für die Sicherheit von Haus und Hof zu tragen, ist seit Tausenden von Jahren hündische Routine. Die Frage ist nur: Stört das daraus resultierende Verhalten und ist mir die psychische Belastung des Hundes egal?

Diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. 

89. Die zum Scheitern verurteilten Versuche der “positiven Bestärkung”

88. HUNDETRAINING IN EIGENER SACHE

87. SOLLTE ICH MEINEN HUND KASTRIEREN LASSEN?

86. DAS BEGRENZEN DES ENTSCHEIDUNGSSPIELRAUMS

Kontakt
Hundetrainer
Sascha Bartz
Gartenweg 5, 18236 Neu Karin

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