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Die Herausforderung einer Resozialisierung

(Eine Bemerkung vorab: Ich verzichte im Interesse des flüssigeren Lesens weitestgehend auf eine Gendersprache und benutze stattdessen nur die feminine Form, auch wenn gleichwohl beide Geschlechter gemeint sind.)

Verständlicherweise werde ich immer mal wieder mit einem Unterton des Zweifelns und einer empfundenen Provokation auf meine Aussage angesprochen, dass eine Erziehung des Hundes im Gegensatz zu seiner Ausbildung sofort und oftmals in nur einer einzigen Trainingseinheit möglich sei.

Zugegeben, sie ist auch etwas provozierend gemeint. Zumal meine Absicht auch darin besteht, die aus meiner Sicht zu Unrecht pauschalisierte Aussage vieler Hundetrainerinnen zu thematisieren, dass eine Hundeerziehung eine komplexe und deshalb langwierige Angelegenheit sei. Eine solche Pauschalisierung ist schlichtweg nicht wahr und dient nach meinen Erfahrungen eher der Rechtfertigung des Scheiterns.

Deshalb verlangt es mich immer mal wieder, dieses Thema anzusprechen, weil die überwiegende Mehrheit der Hundehalterinnen, die mich kontaktieren und um Hilfe bitten, oftmals bereits mehrere erfolglose Hundeschulbesuche absolvieren mussten und mir dann von derartigen Rechtfertigungen berichten. Und nicht wenige meiner Kundinnen müssen sogar von mehrwöchigen Trainings berichten, deren Dauer – neben der angeblichen Unerziehbarkeit ihrer Schützlinge – mit einer angeblichen Komplexität einer Erziehung begründet worden seien. Alle diese Trainingsorgien endeten jedoch – trotz ihres Umfangs – ohne nennenswerte Erfolge. Im Gegenteil, denn ansonsten gäbe es schließlich gar keinen Anlass, mich zu kontaktieren.

Kürzlich schrieb mir ein Kunde sogar von einem ergebnislosen 4-wöchigen Aufenthalt seines Vierbeiners in einer Hundeschule, der mangels Erfolg sogar auf Kulanz noch einmal um 2 Wochen verlängert worden sei. Herausgekommen sei lediglich eine Grundkonditionierung seines „Rabauken“, geschweige denn, die Beseitigung seines unerwünschten Verhaltens – was die ursprünglich vereinbarte Zielstellung gewesen sei.

Und wenn ich solche „Leidensgeschichten“ zu hören bekomme, sehe ich mich halt hin und wieder mal veranlasst, die Diskussion, insbesondere über die Ursachen des Scheiterns, zu initiieren.

Die Gründe für das Scheitern einer Hundeerziehung sind nämlich selten in der mangelnden Zeitdauer oder gar Anzahl an Wiederholungen eines Trainings zu finden. Vielmehr findet sich der Casus knacksus in der Anwendung ungeeigneter Trainingsmethoden.

Allerdings sei zur Ehrenrettung der Hundeschulen ergänzt, auch eine mangelnde Therapietreue der Hundehalterinnen nach dem Training spielt eine wichtige Rolle. Jedoch erst in zweiter Linie, insofern es zuvor der Hundeschule gelungen sein sollte, das unerwünschte hündische Verhalten zu korrigieren. Erst dann, also danach, kommt der Therapietreue der Hundehalterin für einen nachhaltigen Erfolg der Hundeerziehung die erwähnte Bedeutung zu. Denn die Aufgabe der Hundeschule besteht darin, zunächst das hündische Verhalten zu korrigieren und gleichwohl der Halterin verständlich zu machen, dass das Sozialverhalten ihres Hundes ausschließlich durch ihr Verhalten dem Hund gegenüber bedingt ist und darüber entscheidet, ob er glaubt, sein agonistisches Verhaltensrepertoire einsetzen zu müssen oder nicht. Wenn es allerdings nicht gelingt, die Halterin zu einem veränderten Verhalten dem Hund gegenüber zu motivieren, muss es zwangsläufig zu einem Scheitern führen.

Insofern ist eine erfolgreiche Hundeerziehung nichts anderes, als die Korrektur des hündischen Verhaltens durch seine Entbindung von der Verantwortung und Einschränkung seines Entscheidungsspielraums (was übrigens in einer einzigen Trainingseinheit machbar ist) und die Unterweisung der Hundehalterin in ein ab sofort zu veränderndes Verhalten dem Hund gegenüber.

Wenn man aber diese Fälle einmal außer Acht lässt – auch wenn sie den Großteil meiner Klientel ausmachen –, gibt es natürlich zugegebenermaßen noch eine weitere Gruppe von sogenannten verhaltensauffälligen Hunden, denen man ihren Entscheidungsspielraum nicht so ohne weiteres in einem einzigen Training einschränken und ihnen demonstrieren kann, dass es ab sofort keinen Grund mehr für sie gibt, sich agonistisch zu verhalten. Dazu zählen insbesondere die als Resozialisierung einzustufenden Fälle. Diese „Klientel“ kennzeichnet eine starke Konsolidierung ihres agonistischen Verhaltens, die dadurch zustande gekommen ist, dass sie über einen längeren Zeitraum – u.U. sogar schon über viele Jahre hinweg – immer und immer wieder mit ihren unerwünschten Verhaltensweisen und der damit verfolgten Verhaltensstrategie Erfolg hatte, ohne auf Widerstand zu stoßen.

Eine prägende Wirkung auf das soziale Verhalten eines Hundes hat in diesem Kontext auch das Ausbleiben einer notwendigen Korrektur in Situationen, in denen der Hund ein unerwünschtes Verhalten zeigt. Denn eine nicht erfolgte Korrektur bei einem unerwünschten Verhalten, und sei dieses scheinbar noch so lapidar, ist in seiner Wirkung gleichzusetzen mit einer Anerkennung, die dem Hund das Feedback gibt: „Du hast alles richtig gemacht.“

Das Säugetiergehirn des Hundes, ähnlich wie das des Menschen, ist nicht nur sprichwörtlich, sondern neurobiologisch in einer Art Belohnungssystem auf Erfolg getrimmt. Es speichert Verhaltens- oder Handlungssequenzen als sinnvoll immer dann ab und holt sie quasi in vergleichbaren Entscheidungssituationen immer wieder hervor und wendet sie erneut an, wenn sie in der Vergangenheit das angestrebte Verhaltens- oder Handlungsziel erfolgreich gewährleistet haben. Und je öfter dies geschieht, desto stabiler wird dieses Verhaltensmuster „eingestanzt“. Nach der Devise: „Ändere dein Verhalten ja nicht, wenn es bisher ein Garant deines Erfolges war.“ Und das „weiß“ auch ein Hund, zumindest instinktiv.

Beispielsweise wenn Kinder, die durch ihr oftmals unbedachtes oder ungeschicktes Verhalten den Hund in seiner Sicherheit oder eines seiner Ressourcen bedrohen, reagiert er instinktiv durch das Anwenden agonistischer Verhaltensweisen (z.B. Knurren oder sogar Beißen), um sein Sicherheitsbedürfnis zu befriedigen bzw. seine Ressource zu verteidigen. Da in solchen Fällen das Kind in der Regel mit Rückzug reagiert, gibt es beim Hund den berühmten Aha-Effekt des Erfolges. Wenn nun in solchen Schlüsselsituationen das energische Einschreiten der Hundehalter in Form einer drastischen Korrektur ausbleibt, weil sie sich beispielsweise im Fall einer Beißattacke verständlicherweise zunächst um das geschädigte Kind kümmern und nicht um den Hund, speichert er seine Verhaltensstrategie als erfolgreich ab. Der gleiche Effekt tritt ein, wenn eine Korrektur für den Hund nicht in einem verständlichen Kontext geschieht oder mit einer mangelnden Kontinuität bzw. Konsequenz.

Derart konsolidierte bzw. verfestigte „Verhaltensauffälligkeiten“ führen oftmals zu sehr ernsten sozialen Konflikten zwischen Hund und Mensch. Denn bei diesen Verhaltensweisen, die u.U. nicht nur für Dritte, sondern sogar für die Halter selbst zu bedrohlichen oder gefährlichen Situationen führen, zeichnen sich nicht selten durch eine scheinbare Unberechenbarkeit aus. Der Hund „flippt“ quasi urplötzlich und aus nicht erkennbarem Grund „aus“ und neigt zu scheinbar übertriebenen Aggressionen in Form von Übersprungshandlungen, die sich gegen alles und jeden richten können. Dann sind nicht nur Wäscheständer oder Spielzeuge Opfer seiner vermeintlichen „Wutanfälle“, sondern bedauerlicherweise im schlimmsten Fall eben auch kleine Kinder.

Und dann stellt sich für die Betroffenen die Frage nach den Ursachen. Nicht selten suchen sie dann Hilfe beim Tierarzt, weil sie glauben, es habe eine pathologische Ursache. Und die Auswertung des Blutbildes soll dann Hinweise geben, ob vielleicht irgendeine verhaltensauslösende Störung wie zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion seine Verhaltensauffälligkeiten begründen könnte. Und schon ist der Griff zur Allzweckwaffe Medikament obligatorisch; nicht selten aber ohne nachhaltige Besserung.

Nach meinen Erfahrungen wird hier zu schnell oder zu leichtfertig die Kausalkette verdreht und fälschlicherweise die Wirkung zur Ursache missdeutet. Denn nicht eine organische Fehlfunktion mit ihren endogenen Reaktionsfolgen muss zwingend Auslöser eines bestimmten Verhaltens sein, sondern oftmals ist es genau andersherum. Wenn nämlich die äußeren Rahmenbedingungen, unter denen der Hund agieren muss, neurobiologische und in deren Folge endogene Reaktionen auslösen. Denn die meisten Organe werden durch das vegetative Nervensystem, zu denen die beiden „Gegenspieler“ Sympathikus und Parasympathikus gehören, gesteuert. Solche typischen Rahmenbedingungen sind beispielsweise alle stressauslösenden Situationen, die dann den Sympathikus aktivieren, der den Körper in Alarmbereitschaft versetzt, um ihn für Höchstleistungen zu mobilisieren. Und das Resultat schlägt sich dann in den Laborwerten nieder.

Deshalb wäre es eigentlich viel sinnvoller, in markanten Situationen beispielsweise das in der Nebennierenrinde gebildete Stresshormon Cortisol zu messen, das auch im Urin des Hundes nachweisbar ist. Denn dann hätte man zumindest einen Hinweis darauf, ob man die Ursache des vermeintlich unberechenbaren Verhaltens in den äußeren, insbesondere stressauslösenden, Rahmenbedingungen zu suchen hätte, statt in den Fehlfunktionen von Organen herumzusuchen. Jedenfalls entspricht diese Kausalität eher meinen gemachten Erfahrungen.

Eine Quelle solcher stressauslösenden Rahmenbedingungen beschreibt ein Fachgebiet der Soziologie:

Die Lehre unterscheidet hier eine ganze Liste an sozialen Konflikten, wozu auch der sogenannte Rollenkonflikt zählt, in den auch ein Hund im sozialen Gefüge mit dem Menschen geraten kann. Will heißen, jeder Sozialpartner entwickelt als Rollenträger für sich selbst eine Rolle, die er glaubt, gegenüber anderen Sozialpartnern erfüllen zu müssen. Daraus resultieren bestimmte Konflikte. Wenn beispielsweise die Erwartungen, die die Bezugsperson (Sozialpartner Mensch) an die Rolle des Rollenträgers (Hund) hat, nicht mit dessen Interessen und Bedürfnissen übereinstimmen. Oder wenn auf Seiten des Rollenträgers oder Sozialpartners ein defizitäres Rollenwissen vorliegt. Wenn der Rollenträger beispielsweise gar nicht weiß, was eigentlich von ihm erwartet wird oder das Feedback, was er vom Menschen erhält, im Widerspruch steht zu seinem eigenen Rollenverständnis. Oder es kommt zu einem Rollenkonflikt, wenn der Rollenträger gar nicht über die Ressourcen oder Mittel verfügt, um die aus seiner Sicht an ihn gestellten Erwartungen erfüllen zu können.

Einer der häufigsten Rollenkonflikte zwischen Hund und Mensch entsteht immer dann, wenn Letzterer den wahren Verhaltensgrund des Hundes entweder nicht hinterfragt, nicht erkennt oder falsch interpretiert. Was meistens bedingt ist durch den sogenannten Anthropomorphismus (Vermenschlichung des Wesens des Hundes und seiner Bedürfnisse). Im Ergebnis dessen ist das Risiko erheblich, dass der Mensch sich dem Hund gegenüber falsch verhält und ihn dadurch in einen nahezu unlösbaren Konflikt manövriert.

Wenn ich beispielsweise eine Hundehalterin frage, ob ihr bewusst sei, dass das soziale Verhalten ihres Hundes neben seiner Rassespezifikation entscheidend dadurch beeinflusst wird, ob er die Verantwortung für seine Sicherheit einschl. die seiner Bezugspersonen oder irgendeine Ressource innehat oder nicht, zeigt mir ihre Reaktion in der Regel, dass sie über ein defizitäres Rollenwissen verfügt.

Die Folge ist nahezu zwangsläufig ein falsches oder für den Hund missverständliches Verhalten des Menschen ihm gegenüber mit fatalen Folgen. Denn jedes Mal, wenn der Hund seiner Rolle als Beschützer gerecht wird oder werden will, der Mensch dieses dadurch begründete Verhalten aber nicht adäquat interpretiert, erfährt der Hund seitens des Menschen eine ambivalente Reaktion, beispielweise in Form einer Korrektur oder Bestrafung, anstelle einer anerkennenden Geste, wie er es aus seinem Rollenverständnis heraus eigentlich erwarten könnte. Und wenn dies immer und immer wieder geschieht, entwickelt der Hund Frust, der in Stress ausartet und sich in einer physischen Reaktion wie durch ein Ventil entlädt; beispielsweise durch eine Beißattacke.

Aber ich möchte noch auf einen anderen sehr wichtigen Auslöser unerwünschten hündischen Verhaltens hinweisen, der bereits im Welpenalter stattgefunden haben kann und, wenn er nicht durch eine Erziehung im Nachhinein „korrigiert“ wird, sich später in einer konsolidierten Verhaltensauffälligkeit niederschlägt oder zumindest deren Grundlage bildet. Und das ist die leider allseits beliebte „Welpenspielgruppe“.

Sogenannte Welpenspielgruppen, wie sie übrigens kaum heuchlerischer bezeichnet werden könnten und bedauerlicherweise von sehr vielen Hundeschulen angeboten werden, legen oftmals den Grundstein für das spätere unerwünschte Verhalten eines Hundes. Denn das vorgebliche Ziel der Sozialisierung des Hundes oder der Entwicklung seiner sozialen Kompetenz, mit dem solche Veranstaltungen begründet werden, wird hier nämlich nicht nur nicht erreicht, sondern sogar das genaue Gegenteil provoziert, nämlich die Aktivierung seines agonistischen Verhaltensrepertoires (Konkurrenzverhalten). Wenn ein kleiner Welpe aus seiner Geburtsfamilie entnommen und von seinen Eltern und Geschwistern getrennt wird, hat den entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung seiner sozialen Kompetenz von nun an ausschließlich die sich jetzt zwischen ihm und seiner neuen Bezugsperson entwickelnde Beziehung. Und die alles entscheidende Frage dabei ist, ob diese neue Bezugsperson für die Befriedigung seines Sicherheitsbedürfnisses sorgt oder ihm selbst diese Verantwortung überlässt.

Besteht die Absicht, diesen Welpen künftig als einen Wach- und Schutzhund einzusetzen, ist gegen eine „Welpenspielgruppe“ nichts einzuwenden, wenn man dabei in Kauf nimmt, dass der kleine Welpe hier eine sehr unangenehme Erfahrung machen muss. Mit vermeintlichem Spaß hat das alles jedenfalls nichts zu tun. Denn Herrchen oder Frauchen signalisieren ihm damit nichts anderes, als dass sie selbst nicht gewillt sind, künftig für die Befriedigung seines Sicherheitsbedürfnisses Sorge zu tragen, sondern im Gegenteil, von ihm sogar erwarten, dass er, der kleine Welpe, jetzt bereits lernt, nicht nur für seine eigene Sicherheit, sondern später auch für die Sicherheit seiner Bezugspersonen und alle ihm anvertrauten Ressourcen zu sorgen hat. Eine andere Botschaft kann ein solches Treffen auf fremde und ihm nicht wohl gesonnene Hunde nämlich nicht haben. Denn alle fremden Welpen, auf die er hier trifft, sind potentiell nicht seine „Freunde“, denn sie gehören in der Regel nicht zu seiner Geburtsfamilie. Und was sich hier zur Belustigung von Frauchen und Herrchen als harmlose Spielerei darstellt – denn sie blicken alle durch ihre anthropomorphisierende Sonnenbrille – ist nichts anderes, als ein erbitterter Konkurrenzkampf. Herrchen oder Frauchen schicken ihn, den kleinen Welpen, bewusst in eine agonistische Auseinandersetzung mit seinesgleichen, in der von ihm verlangt wird, sich zu behaupten und gefälligst sein agonistisches Verhaltensrepertoire einzusetzen.

Ist diese spätere Aufgabe für ihn aber nicht die geplante Bestimmung, weil er eher als eine Art sozialer Partner fungieren oder gar mit kleinen Kindern klarkommen soll, rate ich jeder Hundehalterin dringend, ihren Schützling von solchen Veranstaltungen fernzuhalten. Im Zweifel sollte man sich im Kontext solcher fragwürdigen und auf Kommerz ausgerichteten Spaßveranstaltungen immer mal fragen, ob die Natur selbst auch solche Dinge erfunden hätte.

Aber kommen wir zurück zur Lösung für die sogenannten Resozialisierungsfälle, die zugegebenermaßen in der Regel auch nicht in einer einzigen Trainingseinheit zu „therapieren“ sind. Sie bedürfen eines etwas aufwendigeren Weges, der sich – in knapper Form zusammengefasst – aus drei Trainingsmodulen zusammensetzt. Wobei aber alle drei simultan bzw. zeitnah praktiziert werden sollten, denn sie ergänzen einander. Will heißen, eines der Module macht ohne die anderen Module keinen Sinn oder bringt den Hund erneut in einen Konflikt. Das erste Trainingsmodul beinhaltet die Korrektur des sozialen Verhaltens des Hundes, indem ihm demonstriert wird, dass sein bisheriges Verhalten unerwünscht ist. Simultan muss damit aber auch die Einschränkung seines Entscheidungsspielraums erfolgen, indem ihm ebenfalls demonstriert wird, dass bestimmte Entscheidungen nicht mehr in seinem Ermessen liegen. Auf eine Ressource bezogen heißt das, dass dem Hund nicht nur die Verantwortung für eine Ressource genommen wird, sondern in erster Linie er das Recht an dieser Ressource verliert. Und in einem dritten Modul muss dem Hund demonstriert werden, dass ab sofort die menschliche Bezugsperson die Verantwortung übernimmt und insbesondere für die Befriedigung seines Bedürfnisses nach Sicherheit Sorge trägt. Insofern entscheidet letztendlich die Therapietreue der Hundebesitzer und die Persönlichkeit der Bezugsperson, der der Hund die Wahrnehmung dieser Verantwortung auch zutrauen können muss, über den langfristigen Erfolg dieser Sozialisierung.

In einigen Fällen ist es sogar notwendig, dass die verantwortliche Bezugsperson in einer Familie wechseln sollte oder muss, wenn sie die Kriterien, an denen der Hund die Fähigkeit zur Übernahme der Verantwortung festmacht, nicht erfüllt oder nicht erfüllen kann. Anzeichen für die Notwendigkeit einer solchen Entscheidung sind beispielsweise, wenn der Hund in Gegenwart seiner Bezugsperson sogar andere Familienmitglieder, die ihm vermeintlich vertraut sind, angreift. Die Ursache findet sich in der „Schwäche“ seiner eigentlichen Bezugsperson, die deshalb einerseits stets beschützen will und der er andererseits die zuverlässige Befriedigung seines eigenen Bedürfnisses nach Sicherheit schlicht und ergreifend nicht zutraut. Wenn diese Bezugsperson ihn in solchen Situationen, in denen er sie eigentlich beschützen will, maßregelt oder korrigiert, weil sie verständlicherweise nicht akzeptiert, dass der Hund ein Familienmitglied angreift, kommt der Hund in einen Konflikt. Denn die Korrektur steht im Widerspruch zu seinem Rollenverständnis. Und geschieht dies immer und immer wieder, kann es zu Stress- und Frustreaktionen führen, die sich wie in einem Ventil entladen, und der Hund sogar seine eigene Bezugsperson angreift.