Worin liegen die Ursachen für Konflikte zwischen Hund und Mensch? oder Warum verhält sich Ihr Hund nicht so wie Sie wollen?

Die meisten unerwünschten Verhaltensweisen eines Hundes sind das Resultat entweder des Fehlinterpretierens seines Verhaltens aufgrund der Nichtbeachtung seiner Grundbedürfnisse oder das „Vermenschlichen“ seines Verhaltens und der sich daraus ergebenden mangelnden Sozialisierung. Zu den daraus resultierenden Ärgernissen zählen zum Beispiel ausgeprägte Aggressionen gegenüber Mensch oder Artgenossen, Angst oder Kontrollverlust bei Abwesenheit des Herrchens, unaufhörliches Bellen oder  nervendes Zerren an der Leine bis hin zum generell vermeintlich „unlogischen“ Verhalten.

Es heißt so treffend: „Nicht der Hund versteht uns Menschen nicht, sondern der Mensch versteht ihn nicht“ … und verhält sich dadurch falsch. Und ein falsches Verhalten des Menschen kann nur zu einem – aus Sicht des Menschen – falschen Verhalten des Hundes führen, aber nicht „aus Sicht“ des Hundes.

Die Domestikation des Hundes hat ihm einerseits völlig andere Wesenszüge „anerzogen“ als sie sein Vorfahre noch hat aber andererseits noch typische Merkmale gelassen. Zu erstgenannten gehört seine potenzielle Bereitschaft zur Unterordnung unter die Führerschaft des Menschen. Aber der Hund hat weiterhin die gleichen Grundbedürfnisse. Insbesondere die Nichtbeachtung dessen führt zum Problemverhalten bis hin zur Notwendigkeit einer Resozialisierung.

Die Folgen der Unterordnung sind bemerkenswert und oftmals überraschend oder für manch einen sogar unakzeptabel. Und mir ist auch bewusst, dass ich mit dieser Überzeugung auf Widerspruch stoße, aber meine Erfahrungen bestätigen es immer wieder:

Der Hund ist kein Gleichberechtigter des Menschen und will es auch gar nicht sein. Deshalb halte ich Äußerungen wie „Machen Sie Ihren Hund zu Ihrem Partner“ zwar für lieb gemeint aber wenig zielführend. Dem Hund tun wir damit jedenfalls keinen Gefallen, im Gegenteil, wir irritieren ihn sogar. Weil durch diese Einstellung u.U. suggeriert wird, dass der Mensch sich an ihm genauso orientieren sollte wie er sich am Menschen.

Der Mensch muss derjenige sein, der führt und wie ein Elternteil zuverlässig Orientierung bietet. Das bedeutet aber nicht, dass sich der Hund im Sinne eines Kadavergehorsams bedingungslos unterzuordnen hat. Ein solcher Gehorsam würde die berechtigten Bedürfnisse des Hundes ignorieren und zum Konflikt führen.

Der Hund benötigt und will eine Leitfigur, die ihm „zeigt, wo es langgeht“. Aber er erwartet von seinem Befehlsgeber auch Schutz, denn er ist sein Schutzbefohlener. In Situationen, in denen der Hund auf die Hilfe und Unterstützung seines Herrchens angewiesen ist, muss dieser ihm auch seine Hilfe und Unterstützung angedeihen lassen. Wenn nicht, sind entweder Angsttraumata oder Aggressionen die Folge.

Wenn der Hundebesitzer seine Führungsrolle – warum auch immer – nicht übernimmt, bringt er seinen Hund in eine Konfliktsituation, auf die dieser dann in einer möglicherweise unerwünschten oder „unlogischen“ Art reagiert.

 

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